Finanzen


Berufsunfähigkeit – So versichtert man sich richtig

Mit Deiner Arbeitskraft wirst Du unter normalen Umständen bis zur Rente über 1 Million Euro verdienen – oder auch nicht, wenn Dir vorher etwas zustößt und Du nicht mehr in Deinem Beruf arbeiten kannst. Dieses Risiko deckt die Berufsunfähigkeitsversicherung ab – hier erfährst Du, für wen sie wichtig ist und worauf Du beim Abschluss achten solltest.

Produktformen
Foto: istockphoto.comBerufsunfähigkeit trifft jedes Jahr über 200.000 Menschen, und über 90 Prozent von ihnen hatten keinen Unfall, wären also auch durch eine Unfallversicherung nicht ausreichend geschützt. Berufsunfähigkeitsversicherungen (kurz: BU-Versicherungen) gibt es als selbstständige Versicherungen und als Zusatzversicherungen (BUZ) zu Lebensversicherungen. Für Azubis ist fast immer eine selbstständige Versicherung sinnvoll.

Achtung: Schließe nie eine BUZ mit einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Rürup-Rente (auch „Basisrente“) ab. Wenn Du diese einmal kündigen musst oder nicht mehr weiterzahlen kannst, fällt auch der BU-Schutz weg, da die Zusatzversicherung an die Hauptversicherung gebunden ist. Hat sich Dein Gesundheitszustand mittlerweile verschlechtert, bekommst Du oft keine neue BU-Versicherung mehr – und musst dann meist die beiden bestehenden Versicherungen weiterzahlen, um Deinen BU-Schutz zu erhalten!

Versicherungsbedingungen
Ob Du im Ernstfall Geld bekommst, hängt von den Versicherungsbedingungen ab. Die wichtigste Frage ist, was eigentlich Dein „Beruf“ ist, denn in 20 Jahren arbeitest Du womöglich in einem anderen Beruf. Und natürlich ist entscheidend, wann genau Du „unfähig“ bist, in diesem Beruf zu arbeiten.

Achtung: Manche BU-Versicherungen laufen in der Ausbildung als Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. Geld gibt es dann erst, wenn Du überhaupt nicht mehr arbeiten kannst! Frag also immer nach, ob auch schon während der Ausbildung nur Dein späterer Beruf entscheidend ist!“ Weitere wichtige Fragen sind, ob die Versichrung nicht zahlen muss, wenn Du auch in einem anderen Beruf arbeiten kannst, oder wie lange Du voraussichtlich berufsunfähig sein musst, damit die Versicherung zahlt. Zudem solltest Du prüfen, ob bzw. wie lange die Versicherung bei versehentlichen oder unwissentlichen Falschangaben vom Vertrag zurücktreten kann.

Gesundheitsfragen wichtig
Mit einer „Gesundheitsprüfung“ entscheidet die Versicherung, ob sie Dich versichert oder Deinen Antrag ablehnt. Beantworte hierbei alle Fragen absolut ehrlich, sonst gibt es bei einer Berufsunfähigkeit Ärger – und die Versicherung zahlt nicht oder kürzt die Leistung! Grundsätzlich musst Du nur auf die Fragen antworten, die Dir gestellt werden – vergisst die Versicherung irgendeinen Punkt in ihren Fragen, ist das deren Problem! Wichtig: Achte bei Gesundheitsfragen auf begrenzte und überschaubare Zeiträume (maximal 5 Jahre) und eine genaue Bezeichnung der Organe oder Körperteile!

Rentenhöhe
Die Rentenhöhe kannst Du selbst wählen. Sie sollte natürlich so hoch sein, dass Du auch davon leben kannst. Angehende Azubis können oft 1.000 Euro Rente pro Monat absichern. Das sind zwar keine Reichtümer, aber auf jeden Fall mehr als Hartz IV! In vielen Verträgen gibt es die Möglichkeit, nach der Ausbildung die versicherte Rente noch einmal zu erhöhen, und zwar ohne neue Gesundheitsprüfung!

Laufzeit …
Schließlich musst Du noch über die Leistungs- und Versicherungsdauer entscheiden. Die Versicherungsdauer gibt an, bis zu welchem Alter die Berufsunfähigkeit eintreten muss, damit Du Leistungen erhältst. Die Leistungsdauer gibt an, bis zu welchem Alter Du im Ernstfall Geld bekommst. So gibt es bei „Versicherungsdauer 60, Leistungsdauer 65 Jahre“ Leistungen bis zu Deinem 65. Geburtstag, wenn die Berufsunfähigkeit bis zu Deinem 60. Geburtstag eintritt. Tritt sie erst danach ein, gibt es kein Geld, weil die Versicherungsdauer abgelaufen ist.

… so lange wie möglich
Als Azubi solltest Du eine möglichst lange Versicherungs- und Leistungsdauer wählen – Du wirst erst mit 67 oder noch später eine gesetzliche Altersrente erhalten! Die derzeit längste Laufzeit ist der 67. Geburtstag. Kürzere Laufzeiten sind entsprechend billiger. Solltest Du Dich jedoch nur bis Alter 55 versichern und dann mit 56 berufsunfähig werden, musst Du mindestens 11 Jahre von Deinen Ersparnissen leben, bevor es Rente gibt. Der Vertrag sollte daher mindestens bis 63, besser 65 Jahre, laufen. Einige Berufe mit besonders hohem Ausfallrisiko (z. B. Fliesenleger, Dachdecker, Lehrer) werden allerdings – wenn überhaupt – oft nur bis 50 oder 55 versichert.

Kosten
Eine so umfassende Versicherung ist natürlich recht teuer. Dein Beitrag hängt von Deinem jetzigen Alter, der Rentenhöhe, der Versicherungs- und Leistungsdauer und Deinem Beruf ab. Für eine Monatsrente von 1.000 Euro und eine Versicherungs- und Leistungsdauer bis 65 Jahre liegen die Beiträge bei „guten“ Versicherungsbedingungen für Azubis von 18 oder 20 Jahren oft bei 30 bis 40 Euro im Monat. Frauen zahlen meist etwas weniger als Männer. Bist Du bei Versicherungsbeginn schon älter, wird es entsprechend teurer.

Ratings nutzen
Im Internet findest Du „Ratings“ (= Benotungen) zur Kundenfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen und der Gesundheitsfragen, zum Beispiel unter www.franke-bornberg.de oder www.morgenundmorgen.de. Wenn Du schon mal ernsthaft krank warst oder zum Beispiel an Allergien leidest, lohnt ein Blick auf www.buforum24.de.

Alternativen
Wenn Du aufgrund Deines Gesundheitszustandes nicht mehr versichert wirst, solltest Du den Abschluss einer „Schlimme-Krankheiten-Versicherung“ (auch „Dread-Disease-Versicherung“) prüfen. Diese zahlt, wenn bei Dir eine Krankheit aus einer vorher vereinbarten Liste festgestellt wird, zum Beispiel Krebs oder ein Herzinfarkt. Ist „Deine“ Krankheit nicht versichert, gibt es allerdings auch kein Geld.  Eine weitere Möglichkeit ist die Grundfähigkeitenversicherung. Hier gibt es Leistungen, wenn Du zum Beispiel nicht mehr selbst zur Toilette gehen kannst oder Hilfe beim Essen oder Ankleiden brauchst. Grundsätzlich spielt aber auch bei diesen Versicherungen Dein Gesundheitszustand beim Vertragsabschluss eine Rolle – uns selbst wenn Du versichert wirst, sind diese Versicherungen kein vollwertiger Ersatz für eine BU-Versicherung!

Gute Beratung wichtig
Vor dem Abschluss einer BU-Versicherung solltest Du Dich in jedem Fall eingehend beraten lassen und auch neutrale Vergleiche heranziehen, zum Beispiel der Stiftung Warentest oder der Verbraucherzentralen.

www.buforum24.de
www.franke-bornberg.de
www.morgenundmorgen.de

Foto: istockphoto.com

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