Kaleidoskop


Freiwillige Dienstverpflichtungen

Foto: ASBAbitur und dann ab in den Zivildienst oder zum Bund. Erste praktische Erfahrungen sammeln, das erste eigene feste Einkommen beziehen und zum ersten Mal eine eigene Bude haben. So sah es bis zu diesem Jahr aus bevor die Wehrpflicht und damit auch alternativ die Pflicht zum zivilen Ersatzdienst ausgesetzt wurde.

Reibungsloser Übergang
Was kann man tun mit der gewonnenen Freiheit? Zunächst einmal kann man das, was man sowieso wollte, ganz einfach früher anfangen: Studium, Berufsausbildung, Auslandspraktikum, Jobben oder eine Weltreise. Da der direkte Anschluss aber nicht immer reibungslos klappt könnten die neu geschaffenen freiwilligen Dienstverpflichtungen im Zivilsektor oder bei der Bundeswehr erstmal eine Alternative darstellen. Benötigt werden die Freiwilligen dringend, da weder Armee noch Altenheime und Sozialeinrichtungen bisher ausreichend Ersatz finden konnten für Zivis und Wehrdienstleistende.

Bufdi in sozialen Jobs
Riesig ist das Spektrum beim sogenannten Bundesfreiwilligendienst, kurz BFD. Der BFDler oder auch Bufdi arbeitet vor allem in unterschiedlichen sozialen Jobs. Viele Leute werden im Pflegebereich gesucht, aber nicht nur dort. Das Spektrum reicht von Hausmeistertätigkeiten im Behindertenheim über Kochen im Kinderladen bis hin zu Hundehüten im Tierschutzverein.

Keine „normalen“ Angestellten
Der oder die Freiwillige verpflichtet sich in der Regel für ein Jahr, möglich sind eventuell aber je nach Einsatzort auch sechs oder 24 Monate. Wer schon älter als 27 Jahre ist darf auch Teilzeit 20 Stunden pro Woche arbeiten, wenn er will. Wichtig: Bufdis sind keine „normalen“ Angestellten, die einfach kündigen können, wenn sie keine Lust mehr haben. Vielmehr handelt es sich hier um eine echte Dienstverpflichtung, die erfüllt werden muss. Frühzeitig raus kommt man nur aus triftigem Grund, etwa wenn man einen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommt.

Sogar Rentner dürfen ran
Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, auch nach dem Studium steht dieser Weg offen und sogar Rentner dürfen ran, wenn sie denn möchten.

Erfahrung sammeln
Michael Rabo, 20 Jahre alt, hat sich für einen Bufdi bei der Diakonie Württemberg in der Alice-Salomon-Schule für Erziehungshilfe in Heilbronn entschieden, um die Kinder- und Jugendarbeit näher kennenzulernen: „Ich möchte pädagogische Erfahrung sammeln, das ist mir sehr wichtig.“ Später möchte Rabo an der Pädagogischen Hochschule Lehramt studieren. Rabo ist einer der ersten, begann seinen Dienst am 1. Juli um Punkt 8 Uhr: „Ich bin sehr gespannt darauf, die Kinder und ihre unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen. Es werden sicher einige Überraschungen auf mich zukommen.“

Wenig Kohle, aber anrechnungsfähig
Zivis kriegten nicht viel Geld und Bufdis bekommen es auch nicht. Maximal 330 Euro im Monat sollen es sein. Dazu kommen Kleidung, Essen und Unterkunft was noch einmal einen Wert von rund 500 Euro im Monat darstellt. Die gesetzlichen Sozialversicherungen werden ebenfalls komplett übernommen. Wer nichts Besseres vorhat, vielleicht mal aus seinem Provinznest raus will, eine eigene Bude in Berlin oder München beziehen und zugleich etwas Sinnvolles tun will, für den ist das Angebot vielleicht ganz interessant. Übrigens: Man kann sich vielfach die BFD-Zeit als Vorpraktikum für eine Ausbildung oder das Studium anrechnen lassen.

35.000 Plätze stehen bereit
Besonders attraktiv scheint das Angebot bisher nicht zu sein. Gut 6.000 Verträge sind bisher abgeschlossen worden, 35.000 Plätze stehen eigentlich bereit. Zuvor gab es rund 90.000 Zivildienstleistende. Eine altbekannte Alternative zum BFD ist das Freiwillige Soziale Jahr, bei dem die Regeln sehr ähnlich denen beim BFD sind und das daher wohl auch über kurz oder lang mit ihm verschmolzen werden dürfte.

Freiwilliger Wehrdienst
Und natürlich gibt es auch noch die Alternative des Freiwilligen Wehrdiensts (FWD), der die Bundeswehr mit Nachwuchs versorgen soll. Der monatliche Sold beträgt hier zwischen 777 Euro in den ersten drei Monaten bis zu 1.146 Euro am Ende der maximal 23-monatigen Dienstzeit.

Erstmals können auch Frauen Wehrdienst leisten. Für Sie und ihre männlichen Kameraden bietet die Bundeswehr neben der militärischen Grundausbildung Qualifikationen, die sich später im zivilen Leben nutzen lassen. So spezialisieren sich einige FWDler im PC Support, andere im Sanitätsbereich oder als Fahrzeuglenker.

Im Juli nahmen erstmals gut 3.400 Freiwillige ihren Dienst auf, darunter 44 Frauen. Auch hier liegen die Zahlen weit hinter denen aus der Zeit der Pflichteinberufung.

www.bundes-freiwilligendienst.de
http://mil.bundeswehr-karriere.de

Foto: ASB

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