Berufsbilder


Schilder- und Lichtreklamehersteller: Werbung zum Leuchten bringen

Alexander Müller steht kurz vor seinem Abschluss bei Hansen Werbetechnik. Foto: Hansen WerbetechnikSie ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken: die neonfarbene Lichterwelt der Leuchtreklamen an Wohn- und Bürogebäuden. Dass sie hell und blinkend auf Produkte, Unternehmen und Lokale aufmerksam machen, dafür sorgen Schilder- und Lichtreklamehersteller. Denn diese Art der Werbung ist noch echte Handarbeit. Zu ihren Aufgaben gehört es, der Reklame mit Kreativität und handwerklichem Geschick ihren schönen Anschein zu verleihen und ein Leuchten auf die Werbelandschaft zu zaubern.

Konzentriert beugt sich Tina Reim über ihren Arbeitstisch und löst die überschüssige Folie von den soeben ausgestanzten Buchstaben. Genau muss sie sein bei ihrer Arbeit. Denn in ihrem Ausbildungsberuf zählen – anders als sonst im Leben – nicht die inneren Werte, sondern ausschließlich das äußere Erscheinungsbild. Zumindest gilt das für das fertige Produkt, das am Ende für Werbezwecke eingesetzt werden soll. Und um Werbung dreht sich bei der 18-Jährigen alles: Sie lässt sich in der Firma Fischer Licht & Metall in Mühlhausen in der Oberpfalz zur Schilder- und Lichtreklameherstellerin ausbilden.

Auf das Berufsbild aufmerksam geworden ist sie durch ein Praktikum. „Das hat mir gezeigt, wie vielfältig der Beruf ist“, erzählt Reim. Nach den drei Ausbildungsjahren wird sie selbstständig einen Auftrag für eine Schilder- oder Lichtreklame ausführen können.Möglichkeiten, wie der Kunde individuell und optisch ansprechend auf sich aufmerksam machen kann, gibt es viele. Je nachdem, ob die Werbung im Innen- oder Außenbereich angebracht werden soll, sind Logos, Geschäftspapiere, Messestände, Fahrzeug, Licht- und Textilwerbung sowie Wegeleitsysteme im Angebot. Beim jeweiligen Konzept muss zudem das Corporate Design des Unternehmens, also ein einheitliches Unternehmens-Erscheinungsbild, berücksichtigt werden. Ebenso breit gefächert ist die Palette der Materialien und Herstellungsweisen – Schilder- und Lichtreklamehersteller verarbeiten Folien, Metall und Kunststoff, lackieren, drucken und vergolden. Und sie bringen mit Licht- und LED-Technik Reklame zum Leuchten.

Täglich Kunstwerke erschaffen
Technik und Design in Einklang zu bringen, ist die Kunst des Berufs. Foto: Fischer Licht und MetallDabei wird ihnen viel Einfallsreichtum abverlangt. Denn mit originellen Ideen müssen sie tagtäglich kleine und große Kunstwerke erschaffen. Doch genau das gefällt Alexander Müller: „Es ist ein sehr kreativer Beruf, der neben handwerklichem Geschick vor allem gestalterische und künstlerische Fähigkeiten erfordert.“ Der 24-Jährige ist einer von sieben Auszubildenden bei Hansen Werbetechnik, einem rund 70 Mitarbeiter starken Betrieb mit Sitz in Dreieich bei Frankfurt am Main, und im dritten Lehrjahr. „Mittlerweile kann ich schon viel Verantwortung übernehmen und werde in Projekte von der Auftragsannahme über die Fertigung bis hin zur Montage eingebunden“, berichtet er stolz. Auch die Beratung des Kunden gehört dazu.

Seine Vielseitigkeit ist auch gleichzeitig die größte Herausforderung des Berufs. „Ein Schilder- und Lichtreklamehersteller muss sich in allen Bereichen gut auskennen: Er sollte kreativ, handwerklich und technisch begabt sein und Objekte in der Werkstatt mitgestalten und umsetzen können“, beschreibt Nicole Warnke, wie Müller Auszubildende bei Hansen Werbetechnik, den Reiz ihrer Arbeit. Daneben werden die verwendeten Materialien und Verarbeitungsweisen ständig weiterentwickelt. Das setzt ein großes und sich ständig erweiterndes Fachwissen voraus. „Unsere Auszubildenden müssen zum Beispiel verschiedene Brandschutzklassifizierungen bei Kunststoffen, Anforderungen an die Farbechtheit bedruckter Stoffe und unterschiedliche Herstellungsverfahren kennen“, erklärt Erhard Sobeck, Geschäftsführer bei Hansen Werbetechnik und selbst gelernter Werbetechniker.

Digitale Techniken
Durch die Entwicklung in den vergangenen Jahren sei außerdem ein selbstverständlicher Umgang mit digitalen Techniken gefragt, ergänzt Ausbildungsleiter Christoph Wrede von Fischer Licht & Metall. Das Traditionsunternehmen stellt seit 1928 unter anderem Werbeanlagen und Lichtsysteme her. Die fünf Schilder- und Lichtreklamehersteller unter den insgesamt 200 Mitarbeitern – darunter Auszubildende Tina Reim – nutzen mittlerweile ausschließlich den Computer, um Entwürfe anzufertigen, Bilder zu bearbeiten und Druckvorstufen zu erstellen. „Die Kunst besteht darin, Technik und Design in Einklang zu bringen“, so Wrede. Darüber hinaus wird die Branche oft mit kurzen Produktionszeiten konfrontiert. Innerhalb von knapp vier Monaten werden auch schon mal die gesamten Filialen eines Großkonzerns mit über 1000 Lichtwerbeanlagen umgerüstet. Da ist überlegtes und effizientes Handeln gefordert.

Ein Schilder- und Lichtreklamehersteller sollte also nicht nur kreativ, gestalterisch und handwerklich geschickt sowie mathematik- und technikinteressiert sein, sondern auch möglichst stressunempfindlich. Wer diese Ansprüche erfüllt, den erwartet ein abwechslungsreiches Arbeitsfeld und viele Einstellungsmöglichkeiten. Er kann im Bereich der Werbetechnik und Fahrzeugbeschriftung, in handwerklichen Schilderwerkstätten und Montagebetrieben für Lichtreklame sowie bei Druckereien, Ausstellungs- und Kongressveranstaltern arbeiten. Einzig die Konkurrenz aus Niedriglohnländern könnte zum Risiko für den Schilder- und Lichtreklamehersteller werden. Doch der sind sich deutsche Unternehmen bewusst und kontern mit Erfindungsgeist und Innovationen, Qualität in Material und Ausführung sowie Zuverlässigkeit und Termintreue. So prophezeit Christoph Wrede dem Berufsbild eine aussichtsreiche Zukunft: „Dadurch erschließen sich ständig neue Märkte, in denen der Schilder- und Lichtreklamehersteller gebraucht wird.“ Ein gutes Beispiel ist Alexander Müller. Er wird nach seiner Ausbildung als Geselle bei Hansen Werbetechnik übernommen.

Fotos: Hansen Werbetechnik, Fischer Licht und Metall

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