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Wen die Bühne ruft … Ausbildung an der Stage School Hamburg

Stage School-Schülerin Ebba Ekholm (Mitte). Foto: Lars EkholmDie staatlich anerkannte Bühnenfachschule „Stage School Hamburg“ bietet ihren Schülern eine Dreispartenausbildung in den Bereichen Tanz, Gesang und Schauspiel. Doch was sich nicht im Klassenzimmer lernen lässt, ist das Gefühl für den Live-Auftritt: Der Umgang mit dem Lampenfieber, das Timing, das Improvisieren, sollte mal etwas schief gehen. Auftritte vor Publikum gehören daher zum Konzept der Schule.

Anhaltender Applaus, begeisterte Rufe und Pfiffe, die „Monday Night“ Ende Februar hat den Nerv des Publikums voll getroffen. Viermal im Jahr haben Schüler der Stage School Hamburg bei den „Monday Night Performances“ Gelegenheit, ihr Können auf einer echten Bühne zu beweisen. Knapp 540 Plätze bietet das Altonaer Theater und unter den Zuschauern befinden sich regelmäßig Pressevertreter und Casting-Experten, immer auf der Suche nach vielversprechenden Talenten. Kein Wunder, dass die „Auserwählten” – eine schulinterne Audition entscheidet zuvor wer auf die Bühne darf – alles geben. Nico Stank glänzte gar bei drei Auftritten, darunter eine Tanz-Eigenchoreografie.

„Eigentlich habe ich nach einer kombinierten Tanz-Schauspiel-Ausbildung gesucht, meinen Gesangskünsten hab ich nicht so recht getraut. Doch jetzt bin ich froh, dass ich mich für die Dreisparten-Ausbildung entschieden habe“, erzählt der 22-Jährige. Denn an der Stage School Hamburg heißt es ganz oder gar nicht. Die dreijährige Ausbildung zum Bühnendarsteller umfasst Tanz, Gesang und Schauspiel gleichermaßen und zielt auf eine Karriere am Theater, im Film-, TV- oder Musik-Business. „Flexibilität ist heute das A und O am Arbeitsmarkt. Das gilt auch für professionelle Bühnen-künstler. Darum ist die breite Basis unserer Ausbildung so wichtig“, erklärt Kim Moke, Mitinhaberin der Stage School Hamburg. Moke weiß wovon sie spricht. Zum einen hat die gebürtige Amerikanerin selbst in allen drei Sparten auf der Bühne gestanden. Zum anderen war sie fast von Anfang an dabei, als die Privatschule 1985 ihre Türen öffnete, hat das Ausbildungsprogramm mitentwickelt und Künstler wie Ralf Bauer, Anna Loos, Thomas Borchert, Lucy (No Angels) oder Susan Sideropoulos begleitet.

Viel Arbeit in den Acts
Was würde Nico locken? Ein Star im Pop-Business, ein Serienheld oder Theater pur? „Ich will raus auf die Bühne. Wo, ist mir fast schon egal. Wenn der Applaus aufbraust, das ist einfach nur cool. Da weiß man, wofür man gearbeitet hat.“ Tatsächlich steckt viel Arbeit in den einzelnen Acts. Je nachdem wie komplex der Auftritt gestaltet ist, wird über mehrere Wochen geprobt – neben der Schule, versteht sich. Dabei umfasst der Unterricht schon um die 30 Stunden pro Woche, mit Fächern wie Gesangsrepertoire + Korrepetition, Sprechtechnik sowie Jazz, Modern oder Stepptanz. „Diese Ausbildung ist wirklich Arbeit. Das begreift man aber erst mit der Zeit“, erzählt Schülerin Ebba Ekholm. „Am Anfang denkt man: Cool, ich tue was ich liebe und was ich gut kann.“ Nur, dass sie hier eben alle gut sind, sonst wären sie nicht an der Schule. Um jedoch professionell bestehen zu können, müssen sie hart an sich arbeiten und Ebba nennt gängige Dozenten-Sätze wie: An dem Monolog musst du noch arbeiten, an deiner Gesangstechnik noch feilen, deine Liedinterpretation überzeugt noch nicht… Bis dann endlich alles sitzt, fließen Schweiß und manchmal auch Tränen. „Mit der Kritik von den Dozenten muss man umgehen können“, erzählt die 24-Jährige. Für Hobbies und Freunde bleiben außerdem wenig Zeit und die Zukunftsaussichten sind unsicher.

Prickelnde Energie
Warum hat sich Ebba dann für diesen steinigen Weg entschieden? „Weil ich in mir das ganz tiefe Gefühl spüre: Das ist mein Weg.“ Alice Wittmer ist noch entschiedener: „Weil ich nicht anders kann. Ich MUSS auf die Bühne.“ Noch vor wenigen Minuten hat Alice auf der Bühne gestanden und sie ist noch nicht zurück auf Normal-Modus. Von ihr geht eine prickelnde Energie aus. Es heißt, wer in dieser Branche etwas werden will, muss für die Bühne brennen. Alice lodert. Neben einer Mordsstimme bringt sie eine enorme Bühnenpräsenz mit. Kann man das lernen? „Man kann die Technik lernen, aber mit der Ausstrahlung ist das schon schwieri-ger. Da ist es wie mit Talent, einiges muss einfach schon vorhanden sein“, sagt die 23-Jährige.

Qualifikation durch Intensiv-Workshop
Die Frau, die für die Stage School Hamburg nach Talenten mit den nötigen Voraussetzungen Ausschau hält, ist Anja Launhardt, Leiterin der bundesweiten Workshops. Zwei Wege führen an die staatlich anerkannte Privatschule: Eine klassische Aufnahmeprüfung oder eben die Qualifikation durch einen mehrtägigen Intensiv-Workshop. Hier werden die Teilnehmer in die Grundlagen der drei Sparten Tanz, Gesang und Schauspiel eingeführt: Eine Choreografie wird erarbeitet, an Stimm- und Ausdruckstechniken gefeilt und die Grundzüge in Atemtechnik, Improvisation und Sprechtechnik vermittelt. Zum Abschluss des Workshops wird das erarbeitete Programm auf einer öffentlichen Bühne aufgeführt.

Drang und Mut spüren
Auch Launhardt kann auf reichlich Bühnenerfahrung zurückgreifen und weiß, worauf sie bei potenziellen Schülern achten muss. Perfektion in Schritt und Stimme verlangt sie gar nicht – aber vollen Einsatz. „Ich achte darauf, wer wirklich Leidenschaft an der Darstellung hat. Ich will den Drang und den Mut für die Bühne spüren. Außerdem müssen Körperlichkeit und Stimme da sein. Und ich schaue immer etwas weiter: Kann ich mir vorstellen, dass dieser Mensch in einem künstlerischen Beruf erfolgreich ist?“ Denn mit dem Erfolg in dieser Branche ist es so eine Sache. Die schwierigen Rahmenbedingungen skizziert Peter Militzke, Teamleiter der ZAV-Künstlervermittlung Hamburg. „Theater und Spielstätten stehen unter einem permanenten Kostendruck.“ Ensembles werden verkleinert, an Gagen wird gespart. „Dazu drohen

Spartenschließungen bei Landestheatern, die Bespielung wird auf wenige Tage in der Woche reduziert und nach wie vor drohen Schließungen ganzer Häuser – das alles macht es für Anfänger in der Branche nicht gerade leichter.“ Auch deshalb reiche Talent allein nicht aus, um als Künstler zu bestehen. Vielseitigkeit, Durchsetzungs-vermögen, Mobilität, Stressresistenz und Ehrgeiz seien wichtig, zählt der Experte auf. Als wichtigstes nennt er jedoch „eine umfassende, solide Ausbildung an einer staatlichen Hochschule oder einer guten Privatschule. Das ist das A und O.“

Showcase ist großes Finale
Nico, Alice und Ebba haben ihre Ausbildung fast hinter sich. Im Sommer machen sie ihren Abschluss, dann folgt das große Finale: „Showcase 2012“, zehn Tage lang jeden Tag eine Show. Natürlich wieder auf einer echten Bühne, vor echtem Publikum in dem sich Talentsucher tummeln, die echte Engagements zu vergeben haben.Lampenfieber ist da programmiert. Das kennt Nico allerdings schon von den Monday Nights: „Kurz vor dem Auftritt denkst du: Das war‘s, ich hab jeden Schritt vergessen, kriege keinen Ton raus. Aber dann gehst du auf die Bühne und alle Aufregung, alle Panik fällt in diesem Moment von dir ab und du funktionierst einfach. Weil du musst!“ Ein Stück weit genießt er sogar die knisternde Stimmung hinter der Bühne, selbst wenn es hektisch wird, wie beim Umziehen zwischen zwei Acts. „Ich hatte genau 2½ Minuten Zeit, um aus einem Anzug in mein „Riff Raff“-Kostüm für die Rocky Horror Show zu kommen. Ich dachte die ganze Zeit, das klappt nie.“ Doch Nico hatte fleißige Helfer an seiner Seite. Was allerdings auch wieder gewöhnungsbedürftig ist, „wenn links und rechts jemand an dir herumzupft und -zerrt, der eine die Perücke festklickt, der andere dich in Highheels zwängt. Aber am Ende hat alles gepasst“, lacht er. Und wenn dann der Abschlussapplaus gar von Standing Ovations gekrönt wird, ist ohnehin aller Stress vergessen. (Yvonne Scheller)

Azubi verlost drei Intensiv-Workshops
Gewinne einen der bundesweit stattfindenden Intensiv-Workshops und finde heraus, ob du die Voraussetzungen für eine dreigleisige Profiausbildung zum Bühnendarsteller mitbringst. Die Aufnahmeprüfung kann durch die Teilnahme am Workshop ersetzt werden. Schreibe bis zum 30. Juni eine Mail an gewinn@stageschool.de mit dem Betreff „Azubi-Magazin“ und Angaben zu Alter, Name, Adresse und Geburtsdatum. Begründe kurz, warum du den Workshop gewinnen möchtest. Teilnahmealter: 16 bis 26 Jahre. Die drei- bis siebentägigen Workshops haben einen Wert von 275 bis 450 Euro. Die Gewinner können sich einen Workshop am Ort ihrer Wahl bis Ende 2013 aussuchen. Infos und Termine unter www.stageschool.de

 

Foto: Lars Ekholm, nh, Damon Jah

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