Berufsbilder


Gärtner in der Fachrichtung Obstbau

Für Frischluftfans mit Eigeninitiative

Obst essen wir alle gern. Aber wie wird es produziert? So vielfältig wie das Obstsortiment ist auch das Arbeitsfeld der Gärtner, die es erzeugen. Äpfel, Erdbeeren, Kirschen und Pflaumen – jede Obstart hat ihren spezifischen Reiz und ihre individuellen Ansprüche. Der Beruf des Gärtners im Obstbau ist deshalb sehr abwechslungsreich und das Richtige für all diejenigen, die anpacken können und gerne an der frischen Luft arbeiten. Milena Horn ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung, die sie im Obstbaubetrieb von Rainer und Wolfgang Ludwig im bayrischen Klingenberg absolviert. Für sie haben sich alle Erwartungen an den Beruf erfüllt.

„Hast Du schon die Stickstoff- und Sauerstoff-Werte im Apfellager geprüft?“ fragt Ausbilder Wolfgang Ludwig seine Auszubildende morgens, beim Treffen auf dem Hofgelände. Schon bald nach Beginn ihrer Lehre auf dem Kastanienhof musste Milena bestimmte Arbeiten eigenverantwortlich übernehmen. Die Prüfung der Atmosphäre im Obstlager gehört zu ihrem festen Aufgabenbereich. Seinen Lehrlingen frühzeitig Verantwortung zu übertragen ist für Wolfgang Ludwig ein wichtiger Teil der Ausbildung. Schließlich sollen die ausgebildeten Fachkräfte später in der Lage sein, in einem Obstbaubetrieb eigenverantwortlich mitarbeiten zu können.

Die Jahreszeiten bestimmen die Arbeit
Als Auszubildende in einem Familienbetrieb ist Milena eng in die saisonalen Arbeitsabläufe eingebunden. Zwar wohnt sie im Gegensatz zu vielen Obstbau-Azubis nicht auf dem Hof, aber einen geregelten Acht-Stunden-Tag gibt es trotzdem nicht immer. So ist in der Hochsaison Urlaub eher Mangelware. „Wenn Frost angesagt ist, müssen unabhängig vom Wochentag Frostschutzmaßnahmen durchgeführt werden, um die Ernte nicht zu gefährden. Und die Früchte warten auch nicht mit dem reif werden, nur weil ein Feiertag bevorsteht. „Wir sehen aber immer zu, dass auf Arbeitsspitzen auch wieder Ausgleichszeit folgt“, betont der Ausbilder.

Foto: Dr. Annette UrbanietzIm Verlauf der Jahreszeiten ändern sich die Arbeitsabläufe im Obstbaubetrieb. Im Winter werden z.B. die Bäume geschnitten, alte Obstplantagen gerodet und neue Bäume gepflanzt. Welche Obstsorten gibt es? Wann reifen sie? Welche Lagerbedingungen sind erforderlich? Ausbildungsinhalte bespricht Wolfgang Ludwig mit seiner Auszubildenden gerne bei Routinearbeiten.

Im Frühjahr, wenn die Apfelbäume austreiben und blühen und die ersten Erdbeeren reifen, beginnt die hektischere Zeit im Obstbaubetrieb. Beim regelmäßigen Gang durch die Obstanlagen schauen Wolfgang Ludwig und Milena genau hin: „Für jeden Schädling gibt es eine definierte Schadschwelle. Ist sie überschritten, muss der Schädling gezielt bekämpft werden“, hat die Auszubildende gelernt. Das Ansetzen von Spritzbrühen für einen Pflanzenschutzmitteleinsatz gehört genauso zur Ausbildung wie das Fahren des Traktors. „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“, heißt die Devise in der integrierten Produktion, die in deutschen Obstbaubetrieben Standard ist.

Stetiger Wechsel von Arbeitsabläufen
Wird es im Frühjahr noch mal kalt, müssen die Obstblüten vor Frost geschützt werden. Denn ohne Blüte gibt es keine Früchte und ohne Früchte keine erfolgreiche Ernte. „Wenn Frost angesagt ist, müssen abends alle raus aufs Feld, um die Erdbeeren mit Vlies abzudecken“, berichtet Wolfgang Ludwig. Eine andere wichtige Arbeit im Frühjahr ist das sog. „Ausdünnen“: Durch Reduzierung von Blüten und kleinen Früchten wird sichergestellt, dass am Obstbaum nur so viele Früchte heranreifen, wie er optimal versorgen kann. Im dritten Lehrjahr weiß Milena ganz genau, was hier zu tun ist.

In der Erntezeit werden im Betrieb Saisonarbeitskräfte beschäftigt. Der Kastanienhof, der noch auf Helfer aus der Region zurückgreifen kann, ist im Obstbau allerdings eher die Ausnahme. Oft kommen die Erntehelfer aus Polen oder Rumänien.

Die Chemie muss stimmen
Viele Obstbaubetriebe spezialisieren sich auf wenige Obstarten wie z.B. Äpfel oder Erdbeeren. Milena ist froh, dass auf dem Kastanienhof ein breites Sortiment angebaut wird. Ihr ist es wichtig, möglichst viele verschiedene Obstkulturen kennenzulernen. Mit diesem Fachwissen hat sie später gute Chancen, in einem Obstbaubetrieb als Fachkraft zu arbeiten. „Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern ist da“, betont Obstbauer Ludwig. Gerne können sich interessierte Schulabgänger in einem Praktikum bei ihm vorstellen. „Zum einen um zu erfahren, ob eine Ausbildung im Obstbau wirklich der richtige Job ist und zum anderen um zu prüfen, ob die Chemie zwischen Ausbilder und zukünftigem Lehrling stimmt.“

Beste Arbeitsaussichten
In Bayern und Baden-Württemberg gibt es für die Obstbau-Azubis ab dem zweiten Lehrjahr in der Berufsschule einen eigenen Fachunterricht. Milena findet es gut, dass sie auf diese Weise optimal auf ihren Abschluss vorbereitet wird. „Alle Unterrichtsfächer sind fachbezogen auf den Obstbau ausgerichtet. Das ist richtig klasse“, berichtet sie. „Zusätzlich geben uns viele Exkursionen mit Betriebsbesichtigungen einen super Einblick in die Praxis.“ Vor allem der Umgang mit Technik wird in überbetrieblichen Lehrgängen vermittelt. Wolfgang Ludwig sieht zu, dass seine Azubis die Lehrgänge möglichst früh besuchen, damit sie genügend Zeit haben, diese Fertigkeiten während der Ausbildungszeit praktisch anzuwenden.

Auf die Frage, welche Kenntnisse ein Schulabgänger mitbringen sollte, wenn er eine Ausbildung im Obstbau machen möchte, antwortet Milena: „Gute Kenntnisse in Mathematik und in den Naturwissenschaften sowie ein generelles Interesse an moderner Technik sollten vorhanden sein. Und man sollte robust sein und anpacken können. Denn wir sind ja bei jedem Wetter draußen.“

Nach erfolgreicher Ausbildung muss für Milena noch lange nicht Schluss sein. An der Fachschule kann sie sich für die Fortbildung zur Meisterin und Technikerin anmelden. Und an einigen Hochschulen wird Obstbau als Fach im Gartenbau-Studium angeboten. (Dr. Annette Urbanietz)

www.beruf-gaertner.de

Fotos: Dr. Annette Urbanietz

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