- FuturePlan Magazine - https://www.futureplan-magazine.de -

Trautes Heim, Glück allein?

Grafik: istockphoto.comDie allermeisten Azubis wissen es oder ahnen es zumindest: Ohne privates Vermögen wird es auf Dauer ziemlich ungemütlich, denn die gesetzliche Rente allein wird Deinen Lebensstandard nicht mehr sichern. Schon viele Azubis schwören auf ein Eigenheim oder eine vermietete Immobilie als Altersvorsorge und sehen dabei oft ihre Eltern oder Großeltern als Vorbilder. Doch die Zeiten, in denen Menschen lange am selben Ort im eigenen Haus lebten, sind vorbei. Wo liegen heute die jeweiligen Vor- und Nachteile von Immobilien für junge Menschen?

Immobilien …
Eine Immobilie ist in der Regel ein Eigenheim, eine Eigentumswohnung oder ein Geschäft. Natürlich kommt auch ein ganzes Haus in Frage, entweder als reines Wohnhaus, reines Geschäftshaus oder „gemischt genutzt“, also z. B. ein Geschäft im Erdgeschoss und Wohnungen in den Stockwerken darüber. Eine Immobilie kannst Du selbst nutzen, also in Deinem Eigenheim wohnen oder im eigenen Büro ein Geschäft eröffnen, Du kannst sie aber auch an andere Leute vermieten und dann entsprechende Mieteinnahmen erzielen. Schließlich kannst Du Dich auch noch über Investmentfonds (siehe hierzu Beitrag im nächsten azubi!) an Immobilien beteiligen.

… zwingen zum Sparen
Die Finanzierung eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung erfolgt fast immer über hohe Kredite, also Schulden. Hierdurch besteht ein regelrechter Zwang zum Sparen und damit zur Vermögensbildung: Kannst Du Deine Raten nicht mehr bezahlen, musst Du mit einer Zwangsversteigerung und dem Auszug rechnen – das sorgt für große Diszi-plin! Für das Lebensgefühl vieler Häuslebauer kommt hinzu, dass Du in einer eigenen Wohnung oder einem eigenen Haus natürlich viel mehr Freiheiten hast als ein Mieter.

… kosten viel Geld
Mit einer schuldenfreien Immobilie legst Du auch zugleich die Basis für mietfreies Wohnen im Alter. Aber Achtung: Mietfrei heißt nicht kostenfrei! Und die Instandhaltung eines Eigenheims oder größere Reparaturen können eine Menge Geld kosten, vor allem wenn das Haus schon älter ist: Heizung, Fenster, Dach, Außenanstrich, Wasserleitungen oder gar Umbauten und vieles mehr sind hier die großen und entsprechend teuren Posten. Dazu kommen noch die alltäglichen Kleinigkeiten wie Gartenpflege oder Wartung der Heizung.

Nach realistischen Schätzungen kostet der Unterhalt eines Eigenheims etwa 50 bis 70 Prozent der vergleichbaren Miete. Würde es Dich also 1.000 Euro pro Monat kosten, Dein Traumhaus zu mieten, musst Du als Eigenheimer rund 500–700 Euro pro Monat für die Instandhaltung rechnen – zusätzlich zu den Kreditraten!

… binden an einen Ort
Der erste große Nachteil einer Immobilie ist, dass Du Dich mit dem Kauf sehr stark an die Immobilie bindest – wer aber beruflich vorankommen will, sollte sich auch auf den einen oder anderen Ortswechsel einstellen. Und vielleicht merkst Du auch irgendwann, dass Du doch lieber anderswo leben möchtest. Dann kann es recht schwierig werden, ein Haus oder eine Wohnung kurzfristig zu verkaufen oder zu vermieten.

Betongold?
Ob eine Immobilie eine gute Vermögensanlage ist, merkst Du übrigens erst in 40, 50 oder noch mehr Jahren – nämlich dann, wenn Du sie vielleicht verkaufen möchtest oder musst, weil Du z. B. nicht mehr fit genug bist, um einen großen Garten zu pflegen. Schon heute gibt es Prognosen, dass Immobilien in vielen Gegenden, vor allem auf dem Land, in einigen Jahrzehnten unverkäuflich sein werden oder mindestens stark an Wert verlieren. Dann fällt die Immobilie als Baustein des Vermögensaufbaus schlicht aus – auch das solltest Du bedenken!

In anderen Gegenden, vor allem größeren Städten und ihrem Umland, sind hingegen stabile oder gar steigende Werte zu erwarten. Dies bestätigt die alte Regel, dass vor allem drei Faktoren den Wert einer Immobilie bestimmen: die Lage, die Lage und die Lage.

Wenig Risikostreuung
Ein weiterer Nachteil des Eigenheimes: Bei Häuslebauern liegt ein hohes Gewicht der Vermögensbildung auf der Immobilie, einfach weil neben der Abzahlung des Kredits meist wenig Geld für andere Geldanlagen übrig bleibt. Das ist unter dem Aspekt der Risikostreuung problematisch. Und bei einer Trennung oder Scheidung wirst Du oft das Haus oder die Wohnung verkaufen müssen, weil ein Partner allein die Belastung dann nicht mehr tragen kann.

Vermietung als Alternative
Wenn Du eine Immobilie nicht selbst nutzen willst, kannst Du sie auch vermieten. Das ist etwas ausgesprochen Komfortables, wenn die Vermietung langfristig und konfliktfrei erfolgt, denn Du bekommst regelmäßig Einnahmen aus Deiner Immobilie. Allerdings musst Du auch eine vermietete Immobilie instand halten, und Du hast z. B. das Risiko, dass Du nach dem Auszug eines Mieters eine Weile brauchst, um einen Nachmieter zu finden („Leerstandsrisiko“).

Leider gibt es auch immer wieder Probleme, dass Mieter ihre Miete nicht zahlen können oder eine Wohnung nicht sehr pfleglich behandeln. Für einen Vermieter kommt es also darauf an, sich seine Mieter sehr sorgfältig auszusuchen, und das kann durchaus zeitaufwendig werden.

Sichere Anlage?
Eine Immobilie ist in dem Sinne sicher, dass es Dein Eigentum ist, das Dir viele Freiheiten ermöglicht und dass Du keine Miete zahlen musst. Sie ist aber nicht sicher in dem Sinne, dass Dir später ein bestimmter Wert garantiert wird oder Du als Vermieter immer mit festen Einnahmen rechnen kannst. Gerade in der heutigen Arbeitswelt musst Du damit rechnen, immer mal wieder den Arbeitgeber zu wechseln und umziehen zu müssen. Es kann daher sinnvoll sein, dass Du erst einmal mit anderen Geldanlagen Vermögen aufbaust und Dir erst dann ein Haus oder eine Wohnung kaufst, wenn Du weißt, wo Du bleiben willst. Und dann kannst Du die Vorteile der eigenen vier Wände auch richtig genießen!

Grafik: istockphoto.com

Teilen, drucken, mailen: