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..mehr als Farbe – Ausbildung bei Brillux

Lacklaborant Tobias Borgert an seinem Arbeitsplatz. Foto: Mario ZgollBrillux, mal Hand aufs Herz, wem sagt das was? Nein, es handelt sich nicht um einen Optiker, auch wenn sich jedes Jahr ein, zwei Leute auf eine Optikerausbildung bewerben. Die haben sich vorher nicht richtig informiert, sonst wüssten sie, dass Brillux führender Direktanbieter und Vollsortimenter im Lack- und Farbenbereich ist. 1889 unter dem Namen Hobrecker & König gegründet, betreibt das ständig wachsende Unternehmen inzwischen mehr als 150 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Erst seit 1984 firmiert es unter dem Namen Brillux. Hauptsitz ist in Münster.

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen mit über 2.300 Mitarbeitern, mehr als 350 Azubis und so vielen Niederlassungen nicht jedem ein Begriff ist? Das liegt daran, dass sich Brillux nicht an den Endverbraucher richtet. Die Kunden in den Niederlassungen sind Profis – in der Regel Maler, Lackierer, Stuckateure oder in anderer Form handwerklich tätig – kaufen also als selbstständige Handwerker oder im Auftrag eines Betriebes ein. Farben, Pinsel, Arbeitskleidung, Dämmstoffe und vieles mehr hat Brillux im Angebot – über 12.000 Artikel umfasst das Sortiment. Die Marke steht für Qualität und hat unter den Profis eine eingeschworene Fangemeinde.

Kaufleute im Groß- und Außenhandel
Und weil sich Brillux eben nicht an den Endverbraucher richtet, arbeiten in den Niederlassungen auch keine Einzelhandelskaufleute. Berater beziehungsweise Verkäufer gibt es zwar auch hier, die sind aber Kaufleute im Groß- und Außenhandel. Einer von ihnen ist Christoph Hauke, Auszubildender im dritten Lehrjahr. „Nach dem Abitur wollte ich Industriekaufmann werden oder meinen Bachelor machen“, erklärt er. Auf der Suche nach einer entsprechenden Stelle sei er über den Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmanns mehr oder weniger gestolpert. „Im Grunde ist die Tätigkeit der des Industriekaufmanns sehr ähnlich, allerdings ohne Produktion. Aufs Kleinste reduziert, beschaffe ich Ware und verkaufe sie dann wieder“, erklärt er. Und er sei im regen Kundenkontakt, was ihm am meisten Spaß mache.

Abholen oder bestellen
Bei der Art des Kundenkontakts gibt es regionale Unterschiede. In Arnsberg, der Niederlassung in der Christoph seine Ausbildung absolviert, läuft die Kommunikation hauptsächlich telefonisch. „Bei uns ist der Abholmarkt nicht so groß“, erklärt er, „die Kunden lassen sich lieber beliefern.“ Aber auch am Telefon gehe es um Kundenpflege, dürfe das eine oder andere persönliche Wort nicht fehlen, erkundige man sich nach den Fortschritten auf den jeweiligen Baustellen und berate je nach Bedarf. „Das geht weit über das reine Verkaufen hinaus“, sagt er.

Den Kunden unterstützen
Während des Telefonats klärt Christoph, welche Ware der Kunde haben möchte und bis wann und legt einen entsprechenden Auftrag im Warenwirtschaftssystem an. „Meistens ergeben sich aus den Bestellungen noch Systemfragen“, sagt der 23-Jährige und erklärt: „Wenn ein Kunde zum Beispiel Fassadenfarben bestellt, frage ich ihn, ob er alle weiteren Komponenten zur Verarbeitung hat. Ihn in solchen Dingen zu unterstützen, gehört zum Service. Etwas Fehlendes später nachliefern zu müssen, bedeutet oft einen großen Mehraufwand und natürlich auch eine Zeitverzögerung.“

Produktkenntnisse wichtig
Dass auch Fragen von Profis, wie es die Kunden von Brillux in der Regel sind, beantwortet werden müssen, ist für Christoph kein Problem. „Das ist machbar“, sagt er locker. „Durch interne Azubi-Schulungen erhalte ich genügend Grundkenntnisse und Informationen, um Ahnung von der Materie zu haben.“ Auch helfe das Warenwirtschaftssystem mit umfangreichen Produktbeschreibungen. „Außerdem habe ich überall Ansprechpartner und wenn ich trotz allem mal nicht weiter weiß, rufe ich unsere Technische Beratung an.“

Touren planen und kontrollieren
Aus den vorliegenden Aufträgen werden Touren für die Fahrer zusammengestellt, die die Ware ausliefern. Auch das gehört für Christoph zum täglichen Brot. „Wir haben in unserer Region feste Touren und Richtzeiten zum Bestellen. Morgens um 7 Uhr soll zum Beispiel der erste Lkw beladen vom Hof fahren – bis zur letzten Minute nehmen wir Aufträge entgegen“, sagt er. Ein Service, den mancher Kunde gerne in Anspruch nimmt. Christoph muss dann improvisieren: „Wenn möglich, stelle ich schnell noch alles zusammen und lade die Ware auf den Lkw, um den Kunden bedarfsgerecht zu bedienen.“ Wenn die Lkw auf den Standardtouren schon voll sind, müssen kurzfristig Zwischentouren geplant werden, um eine schnelle Lieferung zu gewährleisten. Nach Abschluss gilt es, die Touren nachzubereiten. So gehört das Kontrollieren der Lieferzeiten sowie der Kilometerstände ebenfalls zu den Aufgaben der Groß- und Außenhandelskaufleute.

Azubi-Förderprogramm
Aufgrund guter Leistungen ist Christoph in das Azubi-Förderprogramm von Brillux gekommen. Hier werden erweiterte Berufsinhalte vermittelt. „Ich habe einen großen Ordner mit sogenannten Bonusschecks erhalten“, sagt er. Ausbildungsleiter Bernhard Haschke erklärt: „Das sind Schecks für interne betriebliche Maßnahmen, zum Beispiel die Mitreise mit einem Vorgesetzten.“ Der erste Scheck, den Christoph eingelöst hatte, war ein Bonusseminar für Kundenakquise am Telefon. „Es geht darum, auf diesem Gebiet Erfahrungen zu sammeln. Man lernt, wie man potenzielle Kunden für die Produkte begeistern kann, wie man auch Niederlagen einsteckt und beim nächsten Mal überzeugender argumentiert“, sagt er. Im Rahmen des Förderprogramms habe er einen Neukunden gewinnen können, erzählt er nicht ohne Stolz.

Lacklaborant
Doch wer entwickelt eigentlich die Produkte, die in den Brillux Profimärkten verkauft werden? Lacklaboranten wie Tobias Borgert zum Beispiel. Schon nach der sechsten Klasse hat er seine Freude an Chemie für sich entdeckt. „Es hat mir Spaß gemacht, Dinge zu erforschen und die Hintergründe zu erfragen“, blickt der 18-Jährige zurück. Schnell habe er gemerkt: Chemie, das ist sein Ding. Als er sich nach beruflichen Möglichkeiten umsah, sollte es entsprechend was in dieser Richtung sein. „An sich basieren alle chemischen Berufe auf dem selben Fundament, Lacklaborant fand ich aber am coolsten“, sagt er. „Es ist was ganz Besonderes, deshalb habe ich mich dafür entschieden.“

In Entwicklung einbringen
Leitet die Ausbildung bei Brillux: Bernhard Haschke. Foto: nhTobias gefällt, dass er als Azubi bei Brillux richtig mitarbeiten kann. „Andere Unternehmen haben irgendwelche 08/15-Aufgaben zum Üben, hier kann man sich direkt einbringen und Verantwortung tragen“, sagt er. „Wenn ein neues Produkt auf dem Markt ist und ich weiß, ich habe daran mitgearbeitet, ist das ein schönes Gefühl. Das Begleiten des Produkts von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Verkauf, das ist schon was.“

Man wächst schnell rein
Möglichst früh werden die auszubildenden Lacklaboranten an die Entwicklungstätigkeiten herangeführt. „Man lernt die Produkte und Rohstoffe sowie die Abläufe in der Abteilung kennen und fängt an, bei verschiedenen Laboraufträgen mitzuarbeiten“, erklärt Tobias. „Irgendwann ist man so weit, dass man die Produkte kennt und weiß, was in ein Rezept reingehört. Auf diese Basis kann man aufbauen, sich Gedanken machen, Produkte verändern. Man wächst schnell da rein und bekommt das Gefühl, wertvolle Arbeit zu leisten.“

Zusammensetzung prüfen
Als richtiger Lacklaborant schreckt der Azubi im zweiten Jahr auch vor Fachausdrücken wie der energiedispersiven Röntgenspek-troskopie oder der Hochleistungs-Flüssigchromatographie nicht zurück. „Es geht dabei um das Analysieren von Produktproben auf deren Bestandteile, die Elemente und die Zusammensetzung“, erklärt er. Immer wieder untersuche man Stichproben aus der laufenden Produktion, was wichtig sei, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.

Dauertest auf dem Wetterstand
Auch neue Produkte werden ausgiebig getestet – unter anderem unter realen Witterungsbedingungen am „Wetterstand“ auf dem Dach des Brillux Gebäudes. Hier müssen Lackproben, die auf unterschiedliche Materialien aufgetragen werden, ihre Beständigkeit unter Beweis stellen. Geht die Farbe durch Sonneneinstrahlung kaputt? Verändert sich der Farbton? Sieht die Oberfläche gut aus? Dauertests, die nicht selten über Jahre laufen.

Industriekauffrau
Wenn ein neues oder weiterentwickeltes Produkt in den Handel gehen soll, braucht man entsprechende Verpackungen und Etiketten. Diese zu gestalten, ist Aufgabe der Marketingabteilung in Münster, in der es Doris Annegarn, auszubildende Industriekauffrau im dritten Lehrjahr, besonders gut gefallen hat. Auch Betriebsführungen für Besuchergruppen werden von hier aus organisiert. „Die Führungen übernehmen meistens kaufmännische Azubis wie ich“, erklärt die 22-Jährige. „Wir planen den Tagesablauf, begrüßen die Besucher und erklären ihnen auf den Rundgängen die jeweiligen Stationen.“ Eine Aufgabe, in die man über mehrere Wochen eingeführt und rhetorisch vorbereitet werde. Auch das Organisieren von Aktionen für Kunden oder von Messeveranstaltungen obliegt der Marketingabteilung.

Abteilungswechsel
Etwa alle drei Monate wechseln die auszubildenden Industriekaufleute ihre Einsatzgebiete. Derzeit ist Doris im Forderungsmanagement. Die Kundendaten, die von den Mitarbeitern in den Niederlassungen erfasst werden, werden hier auf Vollständigkeit geprüft. Und wie der Name schon vermuten lässt, gehört auch das Mahnwesen dazu, sollten Kunden nicht vereinbarungsgemäß zahlen. In solchen Fällen sind zuweilen auch telefonische Rücksprachen nötig. Auch hierauf werden die Azubis durch interne Schulungen vorbereitet.

Umfangreiche Einblicke
In der Zentrale in Münster unterwegs: Industriekauffrau Doris Annegarn. Foto: nh„Der Vorteil eines so großen Unternehmens ist, dass man sehr viele Abteilungen und Aufgabengebiete kennenlernt“, sagt Doris. Kleinere Arbeitgeber könnten das in dieser Form nicht bieten. Gerne möchte sie auch nach ihrer Ausbildung bei Brillux bleiben. „Es macht superviel Spaß hier und man merkt, dass es trotz seiner Größe ein Familienunternehmen ist“, sagt sie. Die Hierarchien seien flach gehalten und die Inhaberfamilie kenne die Azubis in der Regel namentlich. Grundsätzlich hat Doris gute Karten, denn die Übernahmechancen stehen nicht schlecht: „Es ist unser Ziel, jeden zu übernehmen, so lange die Leistung stimmt“, sagt Bernhard Haschke. Das Unternehmen wachse kontinuierlich und der Bedarf sei schlichtweg da.

Arbeit und Studium verbinden
Wie es für Tobias nach der Ausbildung weitergeht, steht noch nicht ganz fest: „Ich möchte entweder meinen Techniker machen oder ein Ingenieurstudium aufnehmen.“ Egal, wofür er sich entscheide, Brillux wolle er dabei die Treue halten. „Mein Arbeitgeber bietet verschiedene Modelle an, damit man Arbeit und Studium unter einen Hut bringen kann“, sagt er. Auf jeden Fall wolle er sich nach der Ausbildung weiterentwickeln und noch mehr erfahren. Bernhard Haschke: „Wir schaffen nach Möglichkeit die Freiräume, unseren Mitarbeitern ein berufsbegleitendes Studium zu ermöglichen. Aber man muss keinen Bachelor oder Master haben, um eine gute Postition im Unternehmen zu erreichen.“

Azubi-Blind-Date
Erfolgreiche Bewerber werden bei Brillux herzlich aufgenommen, wie Christoph berichten kann: „Vier Monate vor Ausbildungsbeginn gibt es ein erstes Zusammentreffen aller Azubis, das sogenannte Azubi-Blind-Date. Hier lernt man sich schon mal gegenseitig kennen und auch den Betrieb.“ Am ersten richtigen Ausbildungstag begrüße die Geschäftsleitung die neuen Azubis in Münster persönlich und erläutere die Philosophie des Unternehmens, bevor es noch mal auf eine Führung durch die Abteilungen gehe.

Brillux Akademie
Und auch während der Ausbildung hat Brillux für seine Azubis einiges zu bieten: In der eigenen Brillux Akademie werden zahlreiche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen gebündelt, von Telefontrainings über Rhetorikseminare, EDV-Lehrgänge oder Englischkurse bis hin zu stark berufsspezifischen Angeboten. Das Engagement von Brillux reicht allerdings über das Vermitteln von Lerninhalten hinaus: die Azubi-Partys im eigenen Clubhaus zum Beispiel, sind legendär.

Wer sich bei Brillux bewerben möchte, sollte das übrigens online tun.

Kontakt:
Brillux GmbH
& Co. KG
Personalabteilung
Weseler Straße 401
48163 Münster
Tel.: (0251) 7188-8780

ausbildung@brillux.de
www.brillux.de/ausbildung

 

Foto (oben): Mario Zgoll
Fotos: nh

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