Berufsbilder


Ausbildung zum Feuerungs- und Schornsteinbauer

Hier entsteht ein Musterbackofen auf dem Gelände der Firma Schulz für Produkte aus dem Online-Handel (www.schuba-shop.com). Fotos: Günter Schulz GmbH & Co. KGNichts für Couchpotatoes: Feuerungs- und Schornsteinbauer sind überall da gefragt, wo es brodelt und qualmt. Beim Schornstein einer Fabrik etwa oder bei einer Abfallverbrennungsanlage. Denn die Fachkräfte kennen sich bestens aus mit der Errichtung und Sanierung von Feuerungs-, Rauchgasanlagen und Schornsteinen. Dabei spielen sie nicht mit dem Feuer. Im Gegenteil: Sie halten es in Schach(t).

Stolze 65 Meter hoch und 2,30 Meter breit war der Stahlschornstein, den die kräftigen Feuerungs- und Schornsteinbauer der Günter Schulz GmbH & Co. KG vor kurzem in einer Fabrik des Zuckerherstellers Südzucker ausgetauscht haben. Dafür bauten die Mitarbeiter nach einem zuvor sorgfältig erstellten Plan den alten Schornstein ab und den neuen auf. Mobilkräne mit einer Traglast von bis zu 500 Tonnen kamen dabei zum Einsatz.

Geschick und Zuverlässigkeit
„Gerade bei so einem Großprojekt zeigt sich, dass man in diesem Beruf handwerklich geschickt sein und absolut zuverlässig arbeiten muss. Andernfalls könnten die Folgen verheerend sein“, weiß Holger Schulz, der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens. Er hat vor seinem Studium im Bauwesen selbst eine Ausbildung zum Feuerungs- und Schornsteinbauer gemacht. Der Sohn des Gründers führt das Unternehmen, das seit 1989 im industriellen Feuerfest- und Schornsteinbau, Verschleißschutz sowie Spezialhochbau tätig ist, in zweiter Generation. Zu seinen Kunden gehören unter anderem Ziegelwerke, Porzellanfabriken, Kraftwerke, Rohstoffproduzenten und die Automobilindustrie. Mittlerweile arbeiten etwa 50 Mitarbeiter im Familienbetrieb, vier davon sind Auszubildende.

Darunter ist auch Roman Beidel. „Ich hatte schon immer Interesse an handwerklicher Arbeit“, erzählt der 19-Jährige, der gerade das erste Ausbildungsjahr absolviert. „Bei der Arbeitssuche nach dem Hauptschulabschluss bin ich dann auf die Lehre zum Feuerungs- und Schornsteinbauer bei der Firma Schulz gestoßen.“ Im Zeitraum von drei Jahren lernt er hier, Baupläne zu lesen und umzusetzen, Vermessungen mit modernster Technik durchzuführen, Fertigteile zu montieren und feuerfeste Beschichtungen herzustellen. Zum Schluss wird er industrielle Feuerungsanlagen bauen können und mit feuerfesten und hitzebeständigen Baustoffen wie Stein, Beton und Stahl sowie einer fachmännischen Verarbeitung dafür sorgen, dass die Feuerstellen den hohen Temperaturen standhalten. Um die nötige Sicherheit zu gewährleisten und Bauschäden festzustellen, wird er auch Wartungs- und Sanierungsarbeiten übernehmen.

„Schwindelfrei sollte man dabei schon sein“, rät Beidel. Denn beim Bau von Schornsteinen und Abgasanlagen arbeiten die Fachkräfte auf Baustellen am Boden und in der Höhe. Dabei müssen sie viel auf Leitern, Gerüsten oder Arbeitsbühnen steigen. Außerdem gehören körperliche Fitness und Unempfindlichkeit gegenüber Schmutz zu den Anforderungen. „Feuerungs- und Schornsteinbauer sind Spezialisten, die unter extremen Bedingungen wie einer heißen, staubigen Umgebung und unter ausgefeilten Arbeitsschutzmaßnahmen kleine Bauwunder erstellen“, betont Dr. Karl-Heinz Bässler, Leiter des Ausbildungszentrums der Bauindustrie in Essen. Auf diese extremen Belastungen sei wohl auch zurückzuführen, dass Frauen diesen Beruf bisher noch nicht ergriffen haben.

Im Ausbildungszentrum werden seit 1974 die angehenden Feuerungs- und Schornsteinbauer aus dem Raum Nordrhein-Westfalen auf die praktischen Tätigkeiten vorbereitet. „Nach dem Prinzip der Stufenausbildung verbringen die Auszubildenden im Wechsel mit Theoriephasen insgesamt 37 Wochen auf der sogenannten Lehrbaustelle“, erklärt Dr. Bässler. „So werden sie langsam an ihren Einsatz auf ‚echten‘ Baustellen herangeführt.“ Im Schnitt beginnen jährlich bis zu 30 Lehrlinge, meist sind sie zwischen 16 und 20 Jahre alt. Bis zu 25 von ihnen beenden ihre Ausbildung nach drei Jahren erfolgreich als „Facharbeiter Feuerungs- und Schornsteinbauer“. Die Stufenausbildung in der Bauwirtschaft ermöglicht bereits nach zwei Jahren einen ersten Abschluss: den „Hochbaufacharbeiter Fachrichtung Feuerungs- und Schornsteinbauer“ der Industrie- und Handelskammer.

Roman Beidel möchte die drei Jahre aber auf jeden Fall zu Ende bringen. Zum einen gefällt ihm die Arbeit, vor allem „an anspruchsvollen Projekten bei zum Teil weltweit bekannten Kunden mitwirken zu können“. Reisefreudig genug ist er, um sich auf ständig wechselnde Einsatzorte einzustellen. Zum anderen fühlt er sich bei der Günter Schulz GmbH & Co. KG wohl. „Ich lege großen Wert auf ein gutes Arbeitsklima im Unternehmen – nur wer gerne kommt, macht seine Arbeit gut“, ist sein Chef und Ausbildungsleiter Holger Schulz überzeugt.

Gute Zukunftsaussichten
Und die Firma Schulz bietet langfristige Perspektiven. Denn wer sich den Herausforderungen der Ausbildung stellt, kann sich danach einer Anstellung ziemlich sicher sein. „Durch den zunehmenden Mangel an fachlich qualifiziertem Personal sind die Zukunftsaussichten für Feuerungs- und Schornsteinbauer meiner Meinung nach sehr gut“, bestätigt Schulz und liefert gleich den Beweis: „Wir bilden generell mit dem Ziel aus, unsere Lehrlinge nach erfolgreichem Abschluss zu übernehmen. Bei mehreren Mitarbeitern ist uns das schon gelungen!“ Auch Roman Beidel hat gute Chancen.

Fotos: Günter Schulz GmbH & Co. KG

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