Berufsbilder


Ausbildung zum Piloten

Von der Startbahn geht es durch die Wolkendecke gen Sonne. Foto: Pilot Training Network Das gängige Klischee vom Piloten als lässiger, braungebrannter Sonnyboy mit topmodischer Fliegerbrille, der sein Jetset-Leben in vollen Zügen genießt, ist bekannt. Doch Berufsflieger wissen: Im Cockpit ist kein Platz für Klischees und Träumerei. Denn Fliegen ist ein harter Job, der ab der ersten Stunde mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und viel Verantwortung verbunden ist. Im Gegenzug genießen Piloten ein einmaliges Privileg: Bei ihrem Job über der Wolkendecke scheint jeden Tag die Sonne.

Wer mit Lars Kaulen über seinen Beruf als Pilot sprechen möchte, erwischt ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zwischen Tür und Angel. Besser gesagt zwischen Cockpit und Cockpit. Der 43-Jährige fliegt bei der Lufthansa Passagierflugzeuge und gibt gern einen Einblick in seinen bewegten Arbeitsalltag. „Gestern bin ich früh ins Bett gegangen, weil heute Morgen um kurz vor vier in Oslo der Wecker geklingelt hat“, erzählt Kaulen. „Von dort bin ich nach Frankfurt geflogen und gleich geht es weiter nach Riga.“ Es gebe Tage, die seien mit bis zu fünf Kurzstreckenflügen belegt.

Bevor ein Pilot ein solches Pensum sicher und routiniert bewältigen kann, muss er einige Hürden überwinden. Denn wer eine Maschine fliegt, hat eine ganz besondere Verpflichtung. „In diesem Beruf trägt man eine große Verantwortung – für das Flugzeug, seine Crew, die Passagiere und natürlich auch für sich selbst“, betont Terence Heinicke. Er ist Flugschüler bei Pilot Training Network (PTN), einer Tochtergesellschaft von Lufthansa Flight Training, und musste vor seiner Ausbildung erst seine berufliche Eignung unter Beweis stellen. Für das Auswahlverfahren hat PTN extra einen Test von der Gesellschaft für Angewandte Psychologische Forschung entwickeln lassen, akzeptiert aber auch die sogenannte Berufsgrunduntersuchung (BU) der Lufthansa.

In kritischen Situationen Ruhe bewahren
Getestet wird in der Regel die Gesundheit des Bewerbers, vor allem aber seine Persönlichkeit. Psychisch stabil und belastbar sollte er sein, team- und konzentrationsfähig. Er muss Ruhe bewahren können, auch wenn die Situation mal kritisch wird. „Piloten können in sehr komplexe Situationen geraten, in denen die richtige Entscheidung in kurzer Zeit getroffen werden muss“, weiß Holger Hoffmann, Geschäftsführer von PTN, aus langjähriger Berufserfahrung. Auch Grundkenntnisse in Englisch, Mathe und Physik sind gefragt. „Zudem sollte der Bewerber eine gute räumliche Vorstellungskraft und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen haben“, betont Hoffmann. Denn später wird der Pilot sein Flugzeug in drei Dimensionen bewegen müssen.

Beim harten Auswahlverfahren schneiden nur die wenigsten gut genug ab. Wer letztlich zum Lehrgang zugelassen ist, durchläuft – abhängig von der Flugschule – über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten ein Trainingsprogramm aus Theorie und Praxis. „In der FlightCrew Academy von PTN lernen wir zunächst die Basics: Wieso fliegt ein Flugzeug? Wie orientiert man sich am Himmel? Wie kommuniziert man im Luftverkehr?“, erklärt Flugschüler Heinicke. Später in der Ausbildung kommt das Detailwissen hinzu, das ein Pilot benötigt – von Luftrecht über Wetterkunde bis zur Technik des Flugzeugs. Die Theoriephase schließen die Schüler mit einer dreitägigen Prüfung beim Luftfahrtbundesamt ab. Auch das Fliegen eignen sie sich schrittweise an. Erst auf kleinen Maschinen nach Sichtflug-, zum Schluss nach Instrumentenflugregeln. Das bedeutet, sie orientieren sich zunächst durch den Blick aus dem Cockpitfenster, dann durch Lesen der Instrumente. Zwischendurch wird immer wieder unter realistischen Bedingungen im Flugsimulator geübt.

Gesunde Portion Selbstkritik
Grundlegend für den Beruf, jedoch nicht lehrbar, ist laut Lars Kaulen eine gesunde Portion Selbstkritik. „Wenn sich nach einigen Jahren berufliche Routine einstellt, muss man höllisch aufpassen, dass man sich nicht zu sehr auf sein automatisches Handeln verlässt“, erklärt der Profi-Pilot. Zu den größten Herausforderungen des Berufs gehöre auch ein hohes Maß an Flexibilität. „Als Pilot hat man keinen klassischen Büro-Job, sondern eine ständig wechselnde Crew und unregelmäßige Arbeitszeiten.“ Geregelt ungeregelt, nennt Kaulen das. Er selbst hat damit kein Problem, trotz Frau und Kindern. Zwar muss er oft an Feier- und Geburtstagen arbeiten. „Dafür kann ich meine Tochter auch mal morgens zum Kindergarten bringen.“

Gleichzeitig als Herausforderung und Reiz des Berufs nehmen viele Piloten auch ihre Verantwortung wahr. „Klar bin ich stolz, ein schönes Flugzeug anvertraut zu bekommen und es führen zu dürfen“, unterstreicht Heinicke. „Immerhin leben wir den Kindheitstraum vieler Menschen. Und sorgen für glückliche Gesichter, wenn wir die Passagiere in den Urlaub fliegen.“ Für den 29-Jährigen geht mit dem Erwerb der Airline Transport Pilot Licence (ATPL) auch der eigene Kindheitstraum in Erfüllung. Sein Vater hatte ihn als kleinen Jungen mit seiner Privatpilotenlizenz oft im Flugzeug mitgenommen. „So hat sich meine Faszination für die Fliegerei entwickelt“, schwärmt Heinicke.

Hervorragende Chancen auf Einstellung
Hundertprozentig von der Berufswahl überzeugt zu sein, ist auch deswegen essenziell, weil die Ausbildung sehr teuer ist. Je nach Anbieter betragen die Kosten bis zu 70.000 Euro und unterscheiden sich die Finanzierungsmodelle. Sieben Jahre hat etwa Lars Kaulen gebraucht, um sein zins- und tilgungsfreies Darlehen an die Lufthansa zurückzuzahlen. Die hervorragenden Chancen auf eine Einstellung gleichen den hohen Aufwand jedoch aus. Allein PTN konnte laut Holger Hoffmann von seinen jährlich zwischen 125 und 150 erfolgreichen Lehrgangsteilnehmern „über einen Zeitraum von zehn Jahren mindestens 80 Prozent innerhalb eines Jahres nach der Ausbildung vermitteln“.

Die Investition habe sich mehr als gelohnt, bestätigt Lars Kaulen. „Der Beruf bietet Abwechslung, jeden Tag neue Länder und Menschen. Kein Arbeitstag gleicht dem andern.“ Er freue sich jeden Tag, den richtigen Beruf gewählt zu habe

Fotos: Pilot Training Network

Teilen, drucken, mailen:

Diskussion

Keine Kommentare zu “Ausbildung zum Piloten”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen