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Ausbildung zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

„An der Schrottschere arbeite ich am liebsten.“ Sascha Richter verarbeitet mit dem Aggregat unter anderen schwere Stahlteile. Foto: TSR RecyclingDer Joghurtbecher vom Frühstück, das Brötchenpapier aus der Mittagspause, die Chipstüte vom Fernsehabend – fast 450 Tonnen Müll produziert ein deutscher Bürger im Jahr. Zu den Haushaltsabfällen kommen unter anderen noch Abfälle aus der Baubranche sowie aus Produktion und Gewerbe. Die jährlich insgesamt 350 Millionen Tonnen werden jedoch nicht vollständig entsorgt – mehr als die Hälfte wird mittlerweile wiederverwertet. Denn die deutsche Abfallwirtschaft hat sich seit den 1990er Jahren von der Beseitigungs- zur Kreislaufwirtschaft gewandelt mit dem Ziel, die Ressourcen zu schonen. Möglich machen diese Umstellung Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Sie kümmern sich um die fachgerechte Wiederverwertung oder Entsorgung von Müll und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz.

Sascha Richter schaltet sein Funkgerät an und gibt grünes Licht. Daraufhin setzt sich ein Bagger in Bewegung und lädt Stahl- und Eisenteile in riesige Greifarme aus Metall. Der 19-Jährige lässt sich bei der TSR Recycling & Co. KG zur Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ausbilden und „fährt“ heute die Schrottschere, wie es im Fachjargon heißt. Das internationale Unternehmen recycelt Stahlschrott und Nichteisen-Metalle und verarbeitet mit Hilfe des 1.050-Tonnen-Aggregats schwere und sperrige Abfälle wie Rohre, Maschinenteile, Grobbleche und Baustähle zu chargierfähigem Material. Dazu stellt Sascha Richter die Größe ein, die das jeweilige Produkt am Ende haben soll, überwacht die Beladung der Schere, damit sich kein Schrott verkantet, und steuert den Schneidevorgang. Vorab bewertet er die eingehende Schrottlieferung und koordiniert die Entladung am entsprechenden Lagerort.

Nicht nur der Schrottplatz, auch das Labor gehört zu den Arbeitsplätzen einer Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Der Auszubildene Erwin Kleinert analysiert hier Proben von Ablagerungsorten. Foto: AVG Köln„Ich bin sehr technikinteressiert, daher arbeite ich besonders gerne an der Schrottschere“, erzählt Sascha Richter, einer der deutschlandweit 80 Auszubildenden bei TSR Recycling. „Der Beruf bietet aber noch viele andere spannende Aufgaben.“ Denn Abfälle zu sammeln, zu sortieren, wiederaufzubereiten oder zu entsorgen ist abwechslungsreicher, als manch einer vermuten mag: Die Ausbildung wird in den drei Fachrichtungen Logistik, Sammlung und Vertrieb, Abfallverwertung und -behandlung sowie Abfallbeseitigung und -behandlung angeboten. Je nach Fachrichtung arbeiten die Fachkräfte bei privaten und öffentlichen (Sonder-)Abfallbeseitigungsbetrieben, in Müllverbrennungsanlagen, in Ingenieurbüros für technische Fachplanung, oft aber auch bei Recyclingfirmen und -höfen. Sie können die Städtereinigung organisieren, alle Abläufe der Abfallbehandlung von der Sortierung über die Wiederverwertung bis zur Entsorgung steuern und sicherstellen, dass keine Schadstoffe in die Umwelt gelangen.

„Jeden Morgen analysieren wir Proben von Ablagerungsorten, die der Titrator, ein Gerät zur Bestimmung des Chloridgehalts in Flüssigkeiten, auswertet“, weiß der 18-jährige Auszubildende Erwin Kleiner von seinem Arbeitsalltag bei der AVG Köln zu berichten. Die „Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft“ betreibt eine Restmüllverbrennungsanlage, eine Hausmüllsortieranlage und eine Abgasreinigung für die Annahme und Entsorgung privater und gewerblicher Abfälle. „Von den Werten des Titrators machen wir abhängig, wie wir die Abgasreinigung steuern und die Messgeräte einstellen“, erklärt Kleiner, der sich das nötige Fachwissen zu Umwelt- und Analysetechnik in der Berufsschule angeeignet hat. Ein weiteres Arbeitsfeldbeispiel ist die Stahlbranche. Stahlwerke sowie Kupfer- und Aluminiumhütten können große Mengen an Stahlschrott und recycelten Nichteisen-Metallen nutzen, anstatt auf Rohstoffe zurückzugreifen. So tragen Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft wesentlich zum Umweltschutz bei. Sie sorgen dafür, dass die Devise „wiederverwerten statt wegwerfen“ umgesetzt und dabei die Natur geschont wird.

Aus der Vogelperspektive: So sieht das großflächige Gelände der AVG Köln von oben aus. Foto: AVG KölnZu den Voraussetzungen für die dreijährige Ausbildung zählen für Ricarda Pokorny, Ausbildungsleiterin Rhein/Ruhr bei TSR Recycling, „neben einem sehr guten Hauptschulabschluss vor allem Interesse an den Bereichen Chemie und Biologie sowie handwerkliches Geschick“. Keine Berührungsangst im Umgang mit dem Abfall zu haben und körperlich belastbar zu sein, auch das gehöre zum Job, ergänzt Sascha Richter. Bei TSR Recycling beginnen die Auszubildenden ihren Arbeitstag bereits um sechs Uhr morgens und stehen bei jeder Witterung auf dem Schrottplatz: „So früh aufzustehen und bei jeder Wetterlage draußen zu arbeiten, ist manchmal gar nicht so einfach.“

Die Arbeit einer Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft verdient also große Anerkennung und wird mit optimalen Zukunftsaussichten belohnt, verrät Ausbildungskoordinator Christoph Bardenheuer von AVG Köln: „Die Ressourcenknappheit sowie ständig verbesserte und neue Recyclingtechniken erfordern in der Kreislauf- und Abfallwirtschaft immer top ausgebildete Fachkräfte.“ Bestes Beispiel ist TSR Recycling: Gemäß seines Slogans „Wertstoff für Ihre Karriere“ hat das Unternehmen schon viele Auszubildende nach der erfolgreichen Prüfung übernommen.

Foto (oben): TSR Recycling
Foto (Mitte, unten): AVG Köln

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