Berufsbilder


Ausbildung zum Pharmakanten

Im Einsatz für die Gesundheit

Gross, klein, rund und eckig, bunt oder weiss, als Kapsel oder in Tropfenform – was ein Pharmakant herstellt, kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Es erfüllt jedoch immer einen Zweck: zur Genesung eines kranken Menschen beizutragen. In dreieinhalb Jahren lernt der Fachmann, Arzneimittel industriell zu erzeugen. Das setzt neben technischem Verständnis und Können Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein voraus. Denn die Zusammenstellungen der unterschiedlichen Wirk- und Hilfsstoffe müssen exakt stimmen und die hygienischen Vorschriften genauestens eingehalten werden. Immerhin geht es um die Gesundheit des Patienten.

Dosenlibelle und Fantaschale? „Nein, mit einer Libelle oder einer Limonade haben diese Namen nichts zu tun“, lacht Julia Kablitz und erklärt: „Es sind Bezeichnungen für Geräte, die ein Pharmakant benötigt, um Arzneimittel herzustellen.“ In der Fantaschale, einer Art Reibeschüssel, werden verschiedene Bestandteile mit dem Pistill beispielsweise zu Cremes, Granulaten und Mikrokapseln weiterverarbeitet. Umgeben von diesen und vielen anderen Apparaten und Maschinen steht Julia in der Abteilung für pharmazeutische Entwicklung. „Hier möchte ich später gerne arbeiten!“, weiß die 24-Jährige schon jetzt.

Derzeit ist sie noch im dritten Lehrjahr der Ausbildung zur Pharmakantin bei der Bayer Pharma AG. Seit über 30 Jahren bildet das Unternehmen in diesem Beruf aus. Ihn erlernen momentan insgesamt 26 Auszubildende über alle Lehrjahre verteilt. Um geeignete Kandidaten zu finden, achtet Ausbildungsleiter Dr. Gerhard Schauer vor allen Dingen auf ein deutliches Interesse für Naturwissenschaften und Technik sowie die Bereitschaft, gewissenhaft zu arbeiten. „Denn die Produktion erfordert ebenso wie die Entwicklung von Arzneimitteln einen Ablauf nach höchsten internationalen Standards“, erläutert er.

Schon kleine Fehler können fatale Folgen haben
Damit sind unter anderem die strengen Hygienevorschriften gemeint. Werden diese nicht beachtet, können Medikamente für den Menschen nämlich zu einer Gefahr werden. „Darum sind Hygiene und Ordnung in der Pharmaproduktion oberstes Gebot“, betont Julia. Genauso wichtig sei es, präzise und verlässlich zu arbeiten. „Denn schon kleine Fehler können den Produktionsprozess beeinflussen.“ Außerdem sollte ein Bewerber keine Angst vor dem Umgang mit Chemikalien haben, da dieser zu den täglichen Aufgaben eines Pharmakanten gehört. Nicht umsonst tragen die Auszubildenden bei ihrer Arbeit Schutzkleidung. Dazu gehören standardmäßig Kittel, Handschuhe und Schutzbrille, und manchmal sogar Schutzanzug, Kopfhaube, Säureschutzbrille oder Atemschutzmaske.

Auch Julia hat einen Teil der Montur an. Sie entwickelt gerade eine Rezeptur für einen neuen Wirkstoff. Aber welche Hilfsstoffe passen dazu? Soll der Patient ihn später als Tablette oder als Kapsel einnehmen? Und mit welchem Schmiermittel kann eine optimale Tablette gepresst werden? Solche Fragen muss Julia zunächst einmal klären, bevor sie Hilfsstoffe und Zusammenstellungen ausprobiert. Und dabei auch immer genau die Richtlinien des Europäischen Arzneibuchs beachten. Maschinen wie die Exzenter- oder die Rundläuferpresse müssen deshalb genau eingestellt sein. Im Laufe der Produktion werden die Medikamente immer wieder auf ihre Masse, Bruchfestigkeit und Zerfallszeit hin getestet, Inprozesskontrollen nennt man das.

Mit Geduld und Genauigkeit ans Ziel
Bis die ideale Rezeptur gefunden ist, kann somit einige Zeit vergehen. „Dass gleich der erste Anlauf klappt, ist selten“, weiß Julia aus Erfahrung. Zehn bis 15 Jahre dauert es im Durchschnitt bis Forschung und Entwicklung aus einem Molekül ein Medikament entstehen lassen, das für den Patienten erhältlich ist. Dazu braucht es neben der ein oder anderen Früh-, Spät- oder Nachtschicht vor allem Geduld. Aber die bringt Julia für ihren Beruf gerne auf, auch wenn sie erst über Umwege zu ihrer Ausbildung als Pharmakantin kam. Zwar war ihr nach dem Abitur die inhaltliche Ausrichtung ihres Berufs klar: „Ich wollte schon immer etwas im naturwissenschaftlichen Bereich machen.“ Doch zunächst studierte sie jeweils zwei Semester Betriebliche Umweltinformatik in Berlin und Chemie in Rostock. Ein Mitstudent machte sie dann auf das Ausbildungsangebot der Bayer Pharma AG aufmerksam.

Pharmakant: die ideale Rezeptur fürs Berufsleben
Mit dieser Wahl lag sie offensichtlich goldrichtig. „Im Sommer 2012 konnten nach ihrer Abschlussprüfung alle neun Pharmakanten-Auszubildende in die Betriebe der Bayer Pharma AG übernommen werden. Und alle hatten vorzeitig ausgelernt“, lautet die erfreuliche Bilanz ihres Ausbildungsleiters Gerhard Schauer. Auch für Julia kommt eine Anstellung im Bereich der Entwicklung in Frage. Dabei soll es aber nicht bleiben. „Wenn ich berufliche Erfahrungen gesammelt habe, möchte ich noch eine Weiterbildung zur Pharmameisterin absolvieren und später vielleicht ein Pharmaziestudium aufnehmen“, stellt sie sich ihre Zukunft vor. Für ihr Berufsleben ist der Einsatz für die Gesundheit eben die ideale Rezeptur.

Voraussetzung: mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss, Fachoberschulreife)
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
1. Ausbildungsjahr: 756-766 Euro
2. Ausbildungsjahr: 810-817 Euro
3. Ausbildungsjahr: 855-897 Euro
4. Ausbildungsjahr: 902-968 Euro
[Quelle: Arbeitsagentur –http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/docroot/r2/blobs/pdf/bkb/1151.pdf; Stand 3.9.2012]

Fotos: Bayer HealthCare AG

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