Berufsbilder


Ausbildung zum Geomatiker

Alles auf eine Karte setzen

Am Computer erstellt und gestaltet die angehende Geomatikerin Nicole Gromotka mit Graphikprogrammen Karten und Plakate. Foto: Bundesamt für Kartographie und GeodäsieSie ist neu, sie ist anspruchsvoll, sie ist geomatisch. Die Rede ist von der Tätigkeit des Geomatikers. Und „geomatisch“ bedeutet nicht etwa „gut“ oder „super“, sondern „raumbezogen“. Denn der Fachmann ist dafür verantwortlich, Geodaten – also digitale Informationen zu einer räumlichen Lage – zu erfassen, auszuwerten und zu verwalten. Seit August 2010 kombiniert das Berufsbild hierzu die Bereiche Kartografie, Vermessungstechnik, Fernerkundung und Mediengestaltung.

„Für Landkarten und andere kartografische Produkte habe ich mich schon immer interessiert“, erzählt Jan Hagelauer. Währenddessen hält er einen GPS-Empfänger in der Hand, der wie eine Lampe vor ihm emporragt. Das Gerät ist ein Teil der Geo-Informations-Technologie, mit deren Hilfe der 20-Jährige raumbezogene Daten erfasst. Das wird später ein wesentlicher Teil seines Berufs sein. Denn Jan lässt sich im Bundesamt für Kartografie und Geodäsie zum Geomatiker ausbilden. Dazu lernt er bereits im zweiten Jahr neben dem Umgang mit spezieller Vermessungstechnik auch die Programmierung und Handhabung unterschiedlicher Software zur Aufbereitung, Organisation und Präsentation der gesammelten Informationen. Nach den drei Ausbildungsjahren ist er quasi vollwertiger Manager – nur managt er eben Geodaten, kein Unternehmen.

Eigentlich habe er nach dem Abitur ja eine Lehrstelle zum Kartografen gesucht, schmunzelt Jan. Bei der Internetrecherche sei er jedoch auf die Webseite des Bundesamts für Kartografie und Geodäsie gestoßen, auf der das neue Berufsbild des Geomatikers beschrieben wurde. Als Zusammensetzung aus ehemaligen und aktuellen Berufsfeldern wie Vermessungstechnik, Mediengestaltung und Fernerkundung enthält es auch kartographische Anteile. „Darum fand ich es sehr ansprechend und habe mich beworben – mit Erfolg“, freut sich der angehende Fachmann.

Hard und Soft Skills gefragt
Zu einer aussichtsreichen Bewerbung gehören, seinem Ausbildungsleiter Christian Keller zufolge, neben einem guten Schulabschluss vor allem fundierte Mathe- und Deutschkenntnisse sowie Interesse an Geografie und moderner Informations- und Kommunikationstechnik. „Wir legen darüber hinaus viel Wert auf weiche Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit, Geduld und Teamfähigkeit“, betont Keller. Denn für das Aufzeichnen von Daten oder das Lösen komplizierter Aufgaben sei oft die Zusammenarbeit mit anderen gefragt.

„Auch Kreativität und grafisches Geschick sind vor allem im Bereich Kartografie von Vorteil“, ergänzt Jan Hagelauer.    Mittlerweile hat er seine gesammelten Informationen vom GPS-Gerät auf den Computer übertragen und sie sozusagen alle auf eine Karte gesetzt: Eine Geo-Software hat sie so aufbereitet, dass sie auf Papier dargestellt werden können. Gerade zieht er eine riesige Landkarte aus einem Spezialdrucker. Die darauf abgebildeten Flächen und Linien mit ihren unterschiedlichen Farben richtig zu lesen, scheint eine Kunst für sich zu sein. Nicht umsonst ist der Geomatiker ein Fachmann.

Kein Arbeitstag gleicht dem anderen
Wie ein gewöhnlicher Arbeitstag aussieht? „Schwer zu sagen, denn keiner gleicht dem anderen“, weiß Julia Franz, die wie Jan im zweiten Ausbildungsjahr beim Bundesamt für Kartografie und Geodäsie ist, und erklärt: „Entweder nehmen wir im Außendienst Daten auf oder beschäftigen uns im Innendienst mit ihrer Weiterverarbeitung.“ Außerdem unterliege der Bereich der Geoinformationstechnologie einem ständigen Wandel, sodass ein Geomatiker immer offen für Neuerungen sein sollte. „Der Beruf erfordert viel Flexibilität“, betont die 23-Jährige. Die Anforderungen an angehende Geomatiker sind also nicht gerade gering. Dennoch kann Ausbilder Keller von seinen Lehrlingen sagen: „In der Regel schließen alle ihre Ausbildung erfolgreich ab.“ Und die Anstrengungen lohnen sich. „Für viele Themen des öffentlichen Lebens wie Umwelt, Rohstoffe, Forst- und Landwirtschaft, Verkehr und Wirtschaft werden zunehmend qualifizierte Fachkräfte benötigt, die den geographischen Raum mit all seinen Aspekten visualisieren können“, sagt Roland Plaumann, Diplomingenieur für Kartografie und Ausbildungsleiter beim Geologischen Dienst NRW, voraus. Der Bedarf werde somit in den kommenden Jahren steigen.

Flexibilität ist alles
Jan Hagelauer und Julia Franz werden nach ihrer Ausbildung im Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zunächst für ein Jahr übernommen, eine gute Abschlussprüfung vorausgesetzt. Während dieser zwölf Monate sammeln sie vor allem praktische Erfahrung. Anschließend können sie sich nach einer Anstellung in Behörden des Vermessungswesens oder in Betrieben umsehen, zu deren Aufgaben Kartografie, Fernerkundung oder die Entwicklung von Geoinformationssystemen gehören. Oder sie vertiefen ihr Fachwissen durch ein Studium. Aber da sind Geomatiker ja bekanntlich flexibel!

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
1. Ausbildungsjahr: 753 Euro
2. Ausbildungsjahr: 803 Euro
3. Ausbildungsjahr: 849 Euro

[Quelle: Arbeitsagentur –http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/docroot/r1/blobs/pdf/bkb/77494.pdf; Stand 3.9.2012]

Foto: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

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