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Die Alleskönner vom THW

Foto: Loni LiebermannWer weiß, was sich hinter dem Kürzel „THW“ verbirgt, ist schon einmal gut informiert. Oftmals heißt es jedoch nur „die blaue Feuerwehr kommt“, wenn die Einsatzfahrzeuge des Technischen Hilfswerkes (THW) anrücken. Sicher, die Einsatzfahrzeuge des THW sind blau, ebenso die Einsatz-uniform, doch unterscheiden sich Arbeit und Organisation der „blauen“ Helfer und Helferinnen von den Aufgaben der „roten“ Kollegen von der Feuerwehr. Das THW ist eine bundeseigne Hilfsorganisation, die sich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit für Bevölkerungsschutz engagiert. „Wir kommen dann zum Einsatz, wenn außergewöhnliche Ereignisse eintreten, dazu zählen auch Katastrophen“, erklärt Jochem Brammertz, der das Aachener THW leitet und hauptberuflich als Steinmetz bei der Dombauleitung am Aachener Dom tätig ist. Denn die Arbeit bei dem THW ist ehrenamtlich. Mehr als 80.000 ehrenamtliche Helfer und Helferinnen engagieren sich. Nur ein Prozent ist hauptberuflich bei dem THW tätig.

Oft nachts angefordert
Es ist die Fülle der Spezialtechnik, welche die Hilfe des THW auszeichnet und für Daniel Weber ein wichtiger Grund ist, sich ehrenamtlich beim THW zu engagieren. „Hier lerne ich den Umgang mit besonderen technischen Geräten kennen, beispielsweise wie man Beleuchtungssysteme aufstellt“, sagt der 22-Jährige, der auf das THW über einen Infostand in der Bonner Innenstadt aufmerksam geworden ist. Oftmals fordert die Feuerwehr bei einem nächtlichen Einsatz das THW an, weil es über eine breite Palette von Beleuchtungsmitteln zur großräumigen Ausleuchtung verfügt. Dann ist Daniel an der Reihe. Er bringt Licht an dunkle Einsatzstellen und sorgt für die Beleuchtung, wenn nach einem Unwetter die THW Mannschaft umgestürzte Bäume von der Straße beseitigt, abgedeckte Dächer sichert oder das Wasser aus den Kellern abpumpt. Dazu stellt er Stromaggregate mit entsprechenden Energieverteilersätzen auf und sperrt darüber hinaus auch Straßen und Wege ab.

Grundsätzliche Bereitschaft
Das hört sich so an, als müsste ein THW-Helfer rund um die Uhr abrufbar sein! In gewisser Weise trifft das zu. „Wir haben keinen Schichtdienst wie die Feuerwehr oder Polizei, sondern eine grundsätzliche Bereitschaft“, sagt Jochem Brammertz. Wer nicht kann, weil er verreist oder eine andere Verpflichtung hat, der muss sich abmelden. Doch gibt es schließlich nicht jeden Tag Alarm. Daniel hatte während seiner fünf Jahre als THW-Helfer bislang nur einmal einen Einsatz zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Als vor zwei Jahren in Aachen überdurchschnittlich starker Schneefall war und der gesamte öffentliche Verkehr zusammenbrach, war er am ersten Weihnachtsfeiertag zur Schneeräumung eingeteilt. „Das war für mich aber kein Problem“, fügt er hinzu.

Feuerwehr bei Unwettern unterstützen
Den Aufbau einer provisorischen Stromversorgung übernimmt das THW im Handumdrehen. Foto: Loni LiebermannGrundsätzlich arbeiten alle 668 Ortsverbände in Deutschland eng mit der lokalen Polizei und Feuerwehr zusammen. Häufig unterstützt die THW-Mannschaft die Feuerwehr bei Unwettern und schweren Überschwemmungen. Wenn bei starkem Regenfall beispielsweise Keller volllaufen, ist das THW vor Ort. Dann heißt es Schläuche ausrollen, Pumpen anschließen und Straßen absperren. Außerdem führen sie Sprengungen durch, räumen Unglücksstellen, errichten Notunterkünfte und sind auch zur Stelle, wenn Gefahrstoffe wie Chemikalien oder Bio-Materialien im Spiel sind. Die Einsatzkräfte der THW sind zudem darauf spezialisiert, Unglücksopfer zu orten, zu retten oder zu bergen. Diese Aufgabe haben sich Viola Gruben und Sandy, eine Colliemischlingshündin vorgenommen.

Für die Arbeit in der Aachener Hundestaffel – einige Hunde sind inzwischen zu alt, Nachwuchs muss ausgebildet werden – durfte die 21-Jährige ihren eigenen Hund mitbringen. „Dafür habe ich sogar den Ortsverband gewechselt“, erklärt Viola. In ihrem Heimatort Simmerath in der Eifel gibt es kein Hundetraining. Das THW bildet Hunde vor allem für den Such- und Bergungsdienst, beispielsweise nach Explosionen, aus. „Ich freue mich, wenn ich durch diese Arbeit noch einen engeren Zugang zu meinem Hund bekomme“, sagt sie. Doch bis Sandy ihren ersten Einsatz hat, sind noch viele Trainings notwendig. Viola lernte das THW über den „Girls-Day“ kennen, war sofort von der Arbeit so begeistert, dass sie gleich in die Jugendgruppe in Simmerarth (Eifel) eintrat. Einsatz von anspruchsvoller Technik und Teamarbeit sind die Aspekte, die sie betont, wenn sie nach den Motiven für ihr Engagement bei dem THW gefragt wird.

Teamarbeit muss stimmig sein
Viola und Daniel waren schon bei einigen Einsätzen dabei. „Wenn man zu einem Einsatz gerufen wird, weiß man nie genau, was auf einen zukommt“, sagt Viola. Unglücke und Katastrophen sind weder vorhersehbar noch planbar. Bei dem Einsatz kommt es nicht nur darauf an, möglichst schnell zu arbeiten, sondern die Zusammenarbeit, sprich die Teamarbeit, muss stimmig sein. „Wir arbeiten Hand in Hand. Es gibt bei dem Einsatz keine strikte Arbeitseinteilung“, weiß Daniel. Damit jeder Handgriff sitzt, werden die Helfer und Helferinnen gut ausgebildet. Wer sich für ein Ehrenamt beim THW entscheidet, erhält eine fundierte Ausbildung über die Grundtechniken von Bergung, den Umgang mit den Werkzeugen und technischen Geräten. Die Grundausbildung ist beim jeweiligen Ortsverein und umfasst 160 Ausbildungsstunden. Weiter geht es mit der Spezialisierung im Hinblick auf eine Fachausbildung (z.B. Elektroversorgung und Beleuchtung, Bergung, Logistik). „Eine Mitarbeit bei dem THW geht nicht für ein halbes Jahr. Man sollte schon Motivation haben, länger dabei zu bleiben“, sagt Jochem Brammertz.
www.thw.de

Fotos: Loni Liebermann

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