Berufsbilder


Aufregende Welt der Zahlen

Man muss nicht studieren, um Steuerberater zu werden. Die Ausbildung zu Steuerfachangestellten beinhaltet diese Perspektive ebenfalls. Aber auch ohne sie ist der Beruf vielseitig und interessant.

Roswitha Schelp und Vecihe Yaman. Foto: Angelika Basdorf„Paragrafenreiter“ – dieses Wort hört Andreas Griese oft, wenn er Bekannten von seiner Ausbildung erzählt. Darüber kann der 24-Jährige nur lachen, denn seine Arbeitstage findet er wesentlich spannender als das vorher begonnene und abgebrochene Mathematikstudium. Besonders gefällt ihm, dass sein Chef ihn von Vornherein mit eigenverantwortlichen Problemlösungen betraut hat. „Das probieren wir sogar schon mit Praktikanten, die unter der Regie von erfahrenen Mitarbeitern erste Gehversuche im Bereich der Finanzbuchhaltung unternehmen“, sagt Steuerberater Wolfgang Mödder. „Die Auszubildenden müssen schnell eingesetzt werden, in einem Betrieb unserer Größe geht das gar nicht anders.“

„Man lernt in diesem Beruf nie aus“
Die Kanzlei Mödder und Sobotta in Kerpen zählt inklusive der zwei Azubis zwölf Mitarbeiter. Die Woche beginnt mit der sogenannten „Montagsrunde“, in der alle vortragen, woran sie gerade arbeiten, was ihnen wichtig ist und was im Laufe der Woche erledigt werden muss. „Man lernt in diesem Beruf nie aus“, sagt Daniela Thieme, die ihre Lehre bei Mödder & Sobotta bereits abgeschlossen hat. „Steuergesetze sind nicht trocken, sie leben“, findet die 30-Jährige.

Der überwiegende Teil der Arbeit findet am PC statt. Es beginnt mit Basisprozessen wie dem Umgang mit Buchhaltungsprogrammen. In der Berufsschule steht das Erlernen der Finanzbuchhaltung ebenfalls am Anfang der Ausbildung. Aber auch Verwaltungsaufgaben, Empfang und Begrüßung von Mandanten und Telefonate gehören zu den Aufgaben in einer Kanzlei, denen sich keiner entziehen kann und darf. Gerade diese Abwechslung ist es, die Marian Herppich gefällt. „Ein gutes Zahlenverständnis braucht man allemal“, sagt der Auszubildende im dritten Lehrjahr, aber man müsse auch den richtigen Umgangston im Kontakt mit den Mandanten finden.

Den kann man beispielsweise in Seminaren lernen, die die Steuerberater-Kammer Köln anbietet. Vorbereitungskurse zur Abschlussprüfung, welche an Wochenenden stattfinden, bietet der Steuerberaterverband Köln an, dessen Vizepräsident Wolfgang Mödder ist. „Die Mandanten müssen uns vertrauen und sich wohlfühlen“, sagt der Diplom-Kaufmann, „manche genießen eine Rundum-betreuung. Die Grenzen zur Unternehmensberatung sind fließend.“

In Steuerberater-Kanzleien herrscht ständiger Termindruck. Von Steuerfachangestellten wird erwartet, dass sie auch unter Stress sorgfältig arbeiten und im ständigen fachlichen Austausch mit ihren Kollegen bleiben. Steuerberaterin Roswitha Schelp bezieht ihre Auszubildenden deshalb von Anfang an in alle Abläufe ein: „Das geht gar nicht anders!“

Gesetzestexte lesen
Momentan hat die Kölner Kanzlei Schelp, Klein & Partner eine Auszubildende. Vecihe Yaman war schon vor dem Abitur als Praktikantin in diesem Betrieb. „Ich war in der Schule gut in Mathe und habe einen Beruf gesucht, der mir Entwicklungsmöglichkeiten bietet“, erzählt die 21-Jährige. „Anfangs fand ich alles kompliziert, ich verstand oft nicht, worüber gesprochen wurde. Aber je mehr man in der Berufsschule lernt, umso mehr begreift man die Abläufe und Zusammenhänge. Ihre Chefin legt Wert darauf, dass Vecihe selbst recherchiert, wenn sie etwas nicht weiß: „Ich zwinge die jungen Leute regelrecht, die Gesetzestexte zu lesen. Dadurch werden sie schnell mit deren Systematik vertraut. Dann können wir ihnen innerhalb kurzer Zeit sehr anspruchsvolle Fälle übertragen, die sie selbstständig bearbeiten.“

Keine langweilige Paragrafenreiterei
Formal gibt es keine schulischen Einstiegsvoraussetzungen für die Ausbildung zum/zur Steuerfachangestellten. Die meisten Lehrstellenbewerber haben jedoch Abitur, am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln zum Beispiel 87,5 Prozent. Deshalb ist Schulleiterin Ursula Eul besonders stolz auf die guten Prüfungsergebnisse, die ihre anderen Schüler regelmäßig erzielen: „Unsere Auszubildenden im Beruf der Steuerfachangestellten werden nicht nur für eine sehr qualifizierte und interessante berufliche Tätigkeit in steuerberatenden und kaufmännischen Betrieben ausgebildet, sie erlernen auch einen der wenigen Berufe, die die Möglichkeit eröffnen, sich ohne Studium über die Ausbildung und entsprechende Praxis für den Beruf des Steuerberaters/der Steuerberaterin zu qualifizieren.“ Das klingt keinesfalls nach langweiliger „Paragrafenreiterei“.

Foto: Angelika Basdorf

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