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Sicherheit und Risiko bei Geldanlagen

Bei Geldanlagen ist Sicherheit den Deutschen wesentlich wichtiger als Sparern in den meisten anderen Ländern. Die Eurokrise und der starke Preisanstieg für Gold haben aber auch gezeigt, dass viele vermeintlich sichere Anlagen nicht mehr als sicher angesehen werden. Doch was heißt eigentlich „sicher“, wie kann „Risiko“ gemessen werden und welche Risiken bei Geldanlagen gibt es überhaupt?

Risiko als Schwankungsbreite …
Zunächst einmal gibt es nicht „das“ Risiko, sondern viele verschiedene Definitionen. Immer geht es aber darum, ob bzw. in welcher Größenordnung Schwankungen oder Verluste auftreten können. Die gängigste Vorstellung von Risiko bezieht sich auf Kursschwankungen (z.B. zwischen 26 und 42 Euro innerhalb eines Jahres), die oft mit statistischen Kennziffern gemessen werden.

… oder Verlustwahrscheinlichkeit …
Relativ neu ist folgende Definition: Wie groß ist bei einer bestimmten Kapitalanlage die Wahrscheinlichkeit von Kursverlusten (egal wie hoch) im Verlauf von x Jahren? Diese Frage ist vor allem für jene wichtig, die auf den vollen Erhalt ihres Geldes angewiesen sind, z.B. weil sie in absehbarer Zeit eine Wohnung kaufen wollen.

Recht ähnlich ist die Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer bestimmten Kapitalanlage in x Jahren einen Verlust von höchstens y % zu erleiden? Dieser Punkt ist von Bedeutung, wenn jemand einen gewissen Verlust (z.B. 20 %) verkraften kann.

… in einer bestimmten Zeit
Ganz wichtig bei jeder Definition oder Messung von Risiko ist der Zeitraum, auf den sich die Aussagen beziehen. Bei bestimmten Fragen geht es nur um Wochen, bei anderen um zehn oder 20 Jahre.

Und alle Aussagen zum Risiko beziehen sich auf die Vergangenheit! Ob die Verhältnisse so bleiben oder nicht, steht in den Sternen. Gerade in der aktuellen Finanzkrise haben sich früher als sehr sicher eingestufte Geldanlagen als hochriskant herausgestellt, z.B. griechische Staatsanleihen, mit denen viele Anleger drastische Kursverluste hinnehmen mussten.

Kursrisiko
Risiken für Geldanleger können in ganz unterschiedlichen Formen auftreten. Das Kursrisiko ist dabei die offensichtlichste Variante. Stark schwankende Kurse stehen für ein hohes Risiko (und hohe Chancen, da der Kurs auch nach oben sehr stark schwankt!), geringe Schwankungen für geringes Risiko und geringe Chancen. Bei bestimmten Geldanlagen (z.B. Sparbuch, Sparbriefe mit fester Laufzeit) gibt es gar kein Kursrisiko, bei anderen geht das Risiko bis zum Totalverlust.

Wechselkursrisiko
Dieses Risiko tritt bei Geldanlagen in fremder Währung (Dollar, Yen, Franken usw.) auf, auch wenn Du z.B. ein Wertpapier in Deutschland kaufst, das ursprünglich in einer Fremdwährung bewertet wird. Beispiel: Wenn eine amerikanische Aktie derzeit in den USA 26 US-Dollar kostet und Du für einen Euro derzeit 1,30 US-Dollar bekommst, zahlst Du an einer deutschen Börse für diese Aktie 20 Euro (= 26 : 1,30). Kostet der Euro nur noch 1,20 US-Dollar, steigt der Kurs der Aktie auf 21,67 Euro (= 26 : 1,20). In diesem Fall erzielst Du einen Währungsgewinn. Steigt der Euro auf 1,40 US-Dollar, fällt die Aktie auf 18,57 Euro (= 26 : 1,40), und Du machst einen Währungsverlust.

Bonitätsrisiko
Hierunter versteht man das Risiko, ob ein Schuldner seine Verpflichtungen vollständig erfüllen kann. Auch eine vermeintlich „sichere“ Geldanlage kann durch schlechte Bonität ein hohes Risiko aufweisen.

Beispiel: Die deutsche XYZ-GmbH nimmt eine festverzinsliche Anleihe in Euro auf: Laufzeit fünf Jahre, acht Prozent Zins pro Jahr, keine vorzeitige Kündigung, keine Börsennotierung. Auf den ersten Blick ist diese Anlage „sicher“: feste Laufzeit, fester Zins, Rückzahlung nach fünf Jahren. Wenn das Unternehmen aber nach zwei Jahren insolvent wird, ist Dein Geld ist verloren – trotz der angeblichen „Sicherheit“!

„Ratings“ können helfen
Die Bonität ist somit eine Art Qualitätssiegel für Schuldner: Bei einer guten Bonität ist Dein Geld ziemlich sicher aufgehoben, bei einer schlechten musst Du mit Problemen rechnen. Spezielle „Ratingagenturen“ bewerten und veröffentlichen die Bonität von Unternehmen oder Staaten. Vor allem schlechte Einstufungen sind Warnhinweise an die Anleger, dass ihre Investition ein größeres Risiko aufweist, sie ihr Geld also ganz oder teilweise verlieren können.

Politisches Risiko
Hierzu gehören die allgemeine Stabilität eines Landes und seiner Wirtschaft, die oft in weniger entwickelten Ländern von Bedeutung sind. Bei den allermeisten Geldanlagen, die für Dich infrage kommen, spielen vor allem das Kurs- und das Wechselkursrisiko eine Rolle, so z.B. beim Kauf deutscher Standardaktien oder solider Investmentfonds.

Risiko und Ertrag
Ertrag und Risiko gehören eng zusammen: Wer mehr Ertrag will, muss bei der Geldanlage größere Risiken eingehen, wer sein Geld sicher anlegen will, muss Abstriche bei der Rendite machen. Der „risikolose Zins“ für bombensichere Geldanlagen (z.B. deutsche Staatsanleihen) ist dabei die absolute Untergrenze: Wer weniger Sicherheit bietet, muss mehr Ertrag in Aussicht stellen. Diese höheren Erträge sind aber nicht garantiert! Bei Aktien z.B. stehen der Chance auf deutliche Kurssteigerungen auch Verlustrisiken gegenüber.

Keine „sicheren“ Super-Renditen
Wie Du schon am Beispiel für das Bonitätsrisiko gesehen hast, ist „Sicherheit“ immer relativ. Hohe Erträge bietet man nur, weil man sonst kein Geld bekommt. Wer zehn Prozent zahlen muss, „verkauft“ auch entsprechende Risiken. Versprechungen von „absolut sicheren 13 Prozent pro Jahr“ kannst Du also vergessen – hier geht es um Betrug, nicht um seriöse Geldanlage!

Risiko ist nötig
Grundsätzlich ist Risiko also nichts Schlechtes, denn es geht bei der Geldanlage immer darum, eine ausgewogene Kombination von Ertragsmöglichkeiten und Risiko zu finden. Wenn das Risiko mit angemessenen Ertragsmöglichkeiten verbunden ist, ist das in Ordnung. Am Ende kannst nur Du entscheiden, welche Risiken Du beim Vermögensaufbau eingehen willst, um dafür auch entsprechend höhere Erträge zu erzielen. Daher ist es wichtig, bei jeder Geldanlage nach Risiken und Nachteilen zu fragen, damit Du eine optimale Entscheidung treffen kannst!

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