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Ausbildung zum Physiotherapeuten

„Alles in Bewegung!“

Pamela Mönch bei der Arbeit. Foto: Mario Zgoll„Ich bin ein Berührungs-Mensch“, sagt Pamela Mönch. Deshalb hat sie sich mit ihrem Beruf auch einen Traum erfüllt. Sie arbeitet als Physiotherapeutin. In Kassel hat sie seit vielen Jahren eine eigene Praxis. „Körperkontakt ist in diesem Job das A und O. Man muss Menschen gerne berühren, wenn man als Physiotherapeut arbeitet“, sagt die 41-Jährige. Denn mit ihren Händen schafft sie Nähe und baut Vertrauen auf, führt sie Therapien aus und sorgt für Linderung. Unter ihren Händen sollen sich Patienten wohl und gut aufgehoben fühlen.

Rehabilitation und Prävention
Es kommen Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden und jeden Alters zu Pamela Mönch. Es sind Menschen, deren körperlichen Bewegungsmöglichkeiten aufgrund einer Krankheit, Verletzung oder Behinderung oder altersbedingt eingeschränkt sind. Bewegung steht bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit zu entwickeln, zu erhalten oder wiederherzustellen. Und es kommen Menschen zu ihr, die präventiv etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun möchten – ihnen bietet sie zum Beispiel eine Rückenschule oder Wellnessbehandlungen wie Aromamassagen an.

Physiotherapeuten wenden je nach ärztlicher Verordnung verschiedene Techniken an, mit denen sie Schmerzen lindern, Heilungsprozesse fördern und Erkrankungen vorbeugen können. Dazu zählen unter anderem Krankengymnastik, Massagen, Fangopackungen, Wärme- oder Kältebehandlungen. Sie werden durch technische Mittel wie Reizstrom oder Ultraschall ergänzt.

Vertrauen zu Patienten aufbauen
Um den Erfolg einer Therapie zu unterstützen, versucht Pamela Mönch nicht nur mit den Händen eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. „Auch Gespräche sind sehr wichtig“, sagt sie. „Ich betrachte meine Patienten ganzheitlich. Deshalb möchte ich mehr über sie erfahren, beispielsweise was und wo sie arbeiten, ob Vorerkrankungen vorliegen, welche Freizeitaktivitäten durchgeführt werden oder ob es Stressfaktoren und Probleme gibt. So erhalte ich ein Gesamtbild.“

Kommunikation ist auch notwendig, um Patienten verständlich über den ärztlichen und physiotherapeutischen Befund und das Therapiekonzept zu informieren oder auf Fragen einzugehen. Ebenso werden Einfühlungsvermögen, Geduld und Verständnis gebraucht, um optimale Therapieerfolge zu erzielen. „Man braucht ein Gespür für die Ängste der Patienten vor und während der Behandlung“, sagt Pamela Mönch. Und es geht darum, die Patienten zu motivieren, sie zu Eigenaktivität und Ausdauer bei der Therapie anzuregen: „Ich unterstütze sie, leite sie an, begleite sie beispielsweise bei krankengymnastischen Übungen, und zeige ihnen, wie sie diese selbstständig durchführen.“

Sich körperlich fit halten
Physiotherapeuten sind immer in Bewegung. Einige Therapiemethoden, zum Beispiel spezielle Massageformen, erfordern großen Körpereinsatz und sind anstrengend. „Um Rückenschädigungen zu vermeiden, ist deshalb eine gesunde Körperkonstitution wichtig. Man muss sich fit halten“, sagt Pamela Mönch. Außerdem gehören Konfrontationen mit Schicksalsschlägen wie Unfallfolgen oder unheilbaren Erkrankungen zum Alltag. Physiotherapeuten sollten daher auch psychisch belastbar sein. Ebenfalls fordernd können unregelmäßige oder lange Arbeitszeiten oder Wochenenddienste in Kliniken sein.

Wer Physiotherapeut werden möchte, muss eine dreijährige Ausbildung an einer staatlichen oder privaten Berufsfachschule oder ein Hochschulstudium absolvieren. Darüber hinaus wird eine Berufserlaubnis gefordert. Pamela Mönch hat ihre Ausbildung 1994 an einer Berufsfachschule in Kassel abgeschlossen. „Damals waren wir noch in Krankengymnasten und Masseure unterteilt. Während meiner Ausbildung wurden beide Berufe in der Ausbildung zum Physiotherapeuten vereint“, erinnert sie sich.

Ausbildung in Schule und Klinik
Als Selbstständige ist Pamela Mönch Therapeutin und Geschäftsfrau gleichzeitig. Foto: nhWährend des theoretischen und praktischen Unterrichts an der Berufsfachschule lernt man beispielsweise wie der Bewegungsapparat eines Menschen aufgebaut ist und funktioniert, wie Krankheiten entstehen und ablaufen, welche Techniken es in der Physiotherapie gibt, wie sie wirken und bei welchen Krankheitsbildern sie anzuwenden sind, wie man Befunde erhebt, bewertet und dokumentiert oder wie man individuelle Behandlungspläne und Übungsprogramme erstellt. Neben der Praxis geht es in der Ausbildung auch um Theorie, beispielsweise um Gesetze, Regeln und Verordnungen im Gesundheitswesen, Abrechnungen mit Krankenkassen oder das Verfassen von Dokumentationen und Behandlungsberichten.

Der zweite Teil der Schulausbildung ist die praktische Ausbildung im Krankenhaus. Dort lernt und übt man, physiotherapeutische Befund- und Untersuchungstechniken sowie krankengymnastische Behandlungs- und Massagetechniken in den verschiedenen fachmedizinischen Abteilungen von Krankenhäusern praktisch umzusetzen – zum Beispiel in der Chirurgie, inneren Medizin, Orthopädie , Neurologie, Pädiatrie und Gynäkologie.

Betriebswirtschaftlich denken
Pamela Mönch hat sich bereits kurze Zeit nach ihrer Ausbildung selbstständig gemacht. Die fundierte Ausbildung in der Berufsfachschule hat ihr dabei geholfen.

Pamela Mönch hat es nie bereut, sich selbstständig zu machen: „Wenn man eine eigene Praxis hat, ist man sein eigener Herr. Man trägt aber auch viel Verantwortung. Zum Beispiel für seine Mitarbeiter.“ Um Erfolg zu haben, ist es auch wichtig, sich mit seinen Behandlungsangeboten von anderen Praxen zu unterscheiden. Die Kasseler Physiotherapeutin bietet zum Beispiel Besuche zu Hause oder in Altenheimen, Rückenschulen in der Praxis und in Betrieben oder eine ergonomische Arbeitsplatzanalyse an.

Durch Weiterbildung spezialisieren
Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen sind für Physiotherapeuten ein Muss. Sie dienen dazu, Wissen zu vertiefen und auszubauen oder sich zu spezialisieren. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, sich für bestimmte Therapien wie die Bobath-Therapie, manuelle Lymphdrainage, manuelle Therapie oder Osteopathie zu qualifizieren und diese als Spezialist anzubieten.

Nach persönlichem Interesse
Pamela Mönch hat sich unter anderem für Wellnessbehandlungen wie ayurvedische Massagen, Aromamassagen und Hot Stone weitergebildet, Schulungen zum Thema rückengerechte Verhältnisprävention und eine Rückenschullehrerausbildung absolviert. „Ich habe immer nur die Fortbildungen gemacht, die mir persönlich interessant erschienen und die ich gerne anwenden möchte“, sagt sie.

Darüber hinaus können Physiotherapeuten sich auf Leitungs- und Managementaufgaben in physiotherapeutischen Klinikabteilungen, Rehabilitationseinrichtungen oder physiotherapeutischen Praxen oder für den Fitnessbereich spezialisieren. Physiotherapeuten mit einer schulischen Ausbildung können auch eine Aufstiegsweiterbildung absolvieren, zum Beispiel zum Fitnessfachwirt, oder sie haben die Möglichkeit, ein Bachelor-Studium anzuschließen.

Jeder Arbeitstag ist anders
„Ich habe mich für den richtigen Beruf entschieden“, sagt Pamela Mönch. „Jeder Tag ist anders. Es wird nie langweilig. Ich lerne viele Menschen kennen.“ Sie geht jeden Tag mit Freude an die Arbeit. Und das spüren auch die Patienten, die zu ihr kommen: „Einige betreue ich, seitdem es meine Praxis gibt.“ Das zeigt, dass sich ihre Patienten unter ihren Händen wohlfühlen.

Fotos: Mario Zgoll

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