Berufsbilder


Auf den Putz hauen: Ausbildung zum Stuckateur

Zum Wände verputzen gehört viel Übung. Foto: nhAuf den Putz haut Jan-Hendrik Keller gerne – und das nicht im übertragenen Sinn. Der 21-Jährige macht eine Lehre zum Stuckateur. Eine seiner Aufgaben ist es, Innenwände und Außenfassaden zu verputzen. „Das war schon immer mein Wunschberuf“, sagt Jan-Hendrik Keller, der im dritten Ausbildungsjahr im Stuckateurbetrieb von Uwe Müller in Stolberg bei Aachen lernt. Nach dem Realschulabschluss fand er zwar gleich einen Ausbildungsplatz, der wurde ihm allerdings kurz vor Beginn der Ausbildung von dem Betrieb abgesagt. Weil nur diese Ausbildung in Frage kam, hat er ein Jahr mit Jobs überbrückt und dann 2010 bei Uwe Müller eine Lehre begonnen.

Oft werde sein Beruf unterschätzt, schildert Azubi Jan-Hendrik seine Erfahrung. „Der Beruf Stuckateur ist vielseitiger als man annimmt“, sagt er. Das liegt auch daran, dass sich in den letzen Jahren aufgrund zunehmender Altbausanierung das Arbeitsfeld Bausanierung noch mehr ausgeweitet hat. Stuckateure sind hier die Fachleute, die mehr denn je gefragt sind. Doch setzt die Arbeit auch umfassendes Expertenwissen voraus. Wenn Materialen wie Mineralwolle, Steinwolle oder Styropor zur Wärmedämmung verwendet werden, sind physikalische Kenntnisse wichtig. „Da sollte der Stuckateur genau wissen, mit welcher Dübelstärke er arbeiten muss, damit das Material hält“, nennt Stuckateurmeister Uwe Müller ein praktisches Beispiel. „Das Material bestimmt unser Arbeitstempo“, betont der Handwerksmeister außerdem. Bei jedem Material – egal, ob es sich um grundverschiedene Putzmischungen wie mineralische oder organische handelt – der Abbindungsprozess ist immer ein anderer. „Deshalb ist auch ein bestimmtes Maß an chemischen Kenntnissen für die Arbeit erforderlich“, fügt Uwe Müller hinzu.

Stuck und Kunst
Namensgebend für diesen Beruf ist eigentlich die Arbeit mit Stuck. Darunter versteht man im engerem Sinn das plastische Ausformen von Mörtel oder Gips. Das kann eine einfache Fassadengestaltung mit Gesimsen, aber auch eine opulente Deckengestaltung sein. Letztere verlangt viel künstlerisches Geschick und wird oft von Spezialisten ausgeführt. Stuckteile können sowohl in der Werkstatt als auch vor Ort auf der Baustelle gefertigt werden. Heute werden vor allem klassische Stucktechniken mit modernen Beschichtungstechniken verbunden. Da ist auch Jan-Hendrik in seinem Element, ihn fasziniert das Verputzen von Fassaden mit dem sogenannten Edelkratzputz. „Das ist ein besonderer, aber auch teurer Putz und wird leider nicht so oft verlangt“, sagt er. Dieser mineralische Putz wird im ersten Schritt auf die Fassade angespritzt, dann mit einer Kartätsche abgezogen und zum Schluss gekratzt. Weil es darauf ankommt besonders sorgfältig die Kelle über den Putz zu führen und den Moment, an dem das mineralische Korn aufspringt, zu nutzen, muss man nicht nur mit viel Fingerspitzengefühl, sondern ebenso sehr konzentriert arbeiten. „Jugendliche, die bei einem Stuckateurbetrieb eine Lehre beginnen wollen, dürfen kein Problem damit haben, sich dreckig zu machen“, sagt Uwe Müller, der in seinem Betrieb sechs Gesellen und einen Auszubildenden beschäftigt. Stuckateure sollten darüber hinaus auch etwas Kondition mitbringen, wenn sie – beispielsweise – bei Wind, Regen oder Kälte die 25 Kilo schweren Gipssäcke von einer zur anderen Stelle tragen müssen. Oder eine der schweren Gipskartonplatten, die sie zum Abhängen einer Decke benötigen. „Diese dünnen Platten schauen nur leicht aus“, weiß Jan-Hendrik aus Erfahrung. So kommt ihm für diese schwere Arbeit sein Sporttraining zugute. Mit Fußball und Krafttraining hält er sich fit. Obwohl er morgens um 5 Uhr als Erster in der Familie aufsteht, hat er für das Training am Abend noch genügend Power. „Das ist kein Problem, es macht ja Spaß“, sagt er.

Großen Wert legt Handwerksmeister Uwe Müller auch auf Umgangsformen und einen höflichen Umgangston. „Unsere Kunden stehen manchmal unter Stress, wenn wir zu ihnen kommen, weil sie beispielsweise einen Wasserrohrbruch hatten und wir die Wände trocken legen und neu verputzen müssen“, erklärt er. Da ist es dann wichtig, den Kunden aufzuklären und Verständnis für seine Lage zu zeigen.

Überbetriebliche Ausbildung
Azubi Jan-Hendrik Keller mit Meister Uwe Müller. Foto: nhNeben der Ausbildung in der Werkstatt und am Bau, besuchen die Azubis nicht nur eine Berufsschule, sondern auch eines der 200 überbetrieblichen Ausbildungszentren. „Mit der überbetrieblichen Ausbildung wollen wir dafür sorgen, dass ein breites Wissen über alle Bauberufe und Tätigkeiten vorhanden ist und beispielsweise ein Stuckateur auch Kenntnisse vom Mauern hat“, begründet Harald Schröer, Geschäftsführer für berufliche Aus- und Weiterbildung beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, dieses Alleinstellungsmerkmal im Rahmen der handwerklichen Ausbildung von Bauberufen. Während der Ausbildung sind 32 Wochen in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum für alle Azubis im Baugewerbe Pflicht.

Weitere fünf Wochen sind möglich. „Das mache ich dann vom Thema abhängig und vom Arbeitsvolumen in meinem Betrieb“, sagt Uwe Müller. Wenn eine interessante Putztechnik wie Waschputz oder Verfahrenstechnik wie Spachteltechnik im Eifeler Ausbildungszentrum in Simmerath angeboten werden, dann ist auch Azubi Jan-Hendrik dabei.

Handwerk mit Tradition
Der Beruf des Stuckateurs ist ein traditionelles Handwerk, das wieder voll im Kommen ist. Es gäbe zwar Schneide- und Putzmaschinen, doch die wirkliche Arbeit bleibe in den Händen des Handwerkes, so Uwe Müller. Jan-Hendrik weiß, dass er diesen Weg weitergehen will, deshalb hat er sich dazu entschieden, gleich nach der Lehre die Meisterausbildung anzugehen.

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