Berufsbilder


Gekonnt in Szene gesetzt: Der Kulissenbauer

Für einen Werbefilm baute Klappenbach kürzlich eine ganze Flugzeugkabine nach. Foto: Birte SchwarzSie sorgen für den richtigen Rahmen, setzen Menschen und Produkte gekonnt in Szene: Der Beruf des Kulissenbauers ist vielfältig, die Wege dorthin sind unterschiedlich. Rüdiger Klappenbach (54) werkelte schon immer gerne, ob mit Holz, Pappmaché oder Metall. Vor Jahren bittet eine Freundin ihn, für eine Rock-Band den Bühnenhintergrund zu entwerfen und anzufertigen: gesagt, getan. Offenbar macht der gelernte Autoschlosser und studierte Maschinenbauer seinen Job gut, denn weitere Aufträge folgten. Schließlich hängt er seinen gut bezahlten Ingenieursjob an den Nagel und macht sich vor knapp 20 Jahren als Kulissenbauer selbstständig.

Handwerks-Ausbildung oder Learning by doing – Können und Kreativität sind gefragt
Der Kulissenbauer ist kein Ausbildungsberuf im klassischen Sinne. Kulissenbauer sind oft gelernte Handwerker – Schreiner, Polsterer oder Maler – die in der Regel die Entwürfe eines Bühnenbildners umsetzen, zum Beispiel am Theater. Aber auch bei Film und Fernsehen, auf Messen oder in der Werbung ist ihr Können gefragt. Malen, Schweißen, Schreinern – Rüdiger Klappenbach hat sich vieles selbst beigebracht und lernt auch heute noch ständig dazu. Was er selbst nicht kann, erledigen andere Handwerker für ihn, ein gutes Netzwerk ist daher wichtig. Der Allrounder rät Interessierten jedoch zu einer fundierten Ausbildung: „Handwerk hat goldenen Boden. Am Theater kann man dann erste Erfahrungen sammeln und viel Ausprobieren.“

Angestellt oder Selbstständig
Während Handwerker am Theater für eine bestimmte Produktion eingesetzt werden oder in anderen Betrieben fest angestellt sind, hat sich Klappenbach für die Selbstständigkeit entschieden. Für ihn ist seine unternehmerische Freiheit wichtig – im Sommer geht er tagsüber lieber ins Freibad als in die Werkstatt. Natürlich muss er seine Arbeit dann später, manchmal sogar nachts nachholen. Das erfordert viel Disziplin: „Geregelte Arbeitszeiten sind selten. Mal ist wenig zu tun, dann muss man sich um neue Aufträge kümmern. Andererseits muss man in Hochzeiten auch mal nachts und am Wochenende arbeiten“, erklärt der 54-Jährige. Auch das Einkommen schwankt extrem. Kleinere Aufträge bringen um die 1.000 Euro, bei Großprojekten ist die Grenze nach oben offen. Von seinem Verdienst muss Klappenbach den Lohn für Mitarbeiter und Materialkosten abziehen. Zirka zwei Drittel gehen dafür schon mal drauf. Dafür ist Klappenbach nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern im Einsatz.

Für eine Seminarveranstaltung entwarf er eine komplette Bibliothekskulisse, für einen Werbefilm eines großen Autoherstellers baute er kürzlich eine ganze Flugzeugkabine nach. Holz, Stoff, Styropor und Metall – als Material kommt fast alles zum Einsatz. Der Clou beim Kulissenbau: Nur was sichtbar ist, muss perfekt sein. Getreu dem Motto: Vorne hui, hinten pfui. „Manchmal bekommt man sehr strenge Vorgaben und fertige Entwürfe von Agenturen, manchmal darf man sich selbst austoben. Auch die Materialien sind immer anders, das macht das Tolle an dem Beruf aus.“ An einigen Aufträgen werkelt Klappenbach von der Konzeption bis zur Fertigstellung mehrere Monate, für Großprojekte mietet er auch schon mal eine Lagerhalle an. Das Wichtigste für ihn ist, dass sich seine Stücke problemlos zerlegen und transportieren lassen. Auch der Materialeinsatz muss genau durchkalkuliert werden, um Kosten zu vermeiden. „Ziel ist es, so wenig Abfall wie möglich zu haben“, so Klappenbach. Viele Exponate landen nach der Messe oder Veranstaltung im Müll, das macht Klappenbach bei so viel Arbeit schon manchmal traurig. Nur ein nachgebautes Stück der Berliner Mauer hat der 54-Jährige aufgehoben: „Für alles andere wären die Lagerkosten zu hoch.“

Handwerkliches Können ersetzt keine Soft-Skills
Rüdiger Klappenbach muss zwar selten andere Arbeiter anführen, einige Soft- Skills sind in seinem Beruf aber ebenfalls sehr wichtig: „Man muss sehr flexibel sein und schnell reagieren können. Oft hat man den Kunden im Rücken, der einen unter Druck setzt. Damit muss man umgehen können.“ Jeder neue Auftrag bedeutet auch eine neue Herausforderung. Hier ist die richtige Selbsteinschätzung unabdingbar: „Ich muss mich manchmal einfach trauen, etwas Neues anzunehmen. Wenn ich etwas nicht kann, muss ich aber auch klar nein sagen oder mir andere Leute zur Unterstützung dazu holen.“ Auch wenn Klappenbach am liebsten in seiner Werkstatt ist, muss er einen Großteil seiner Zeit am Schreibtisch verbringen, um Angebote und Rechnungen zu schreiben, die Buchhaltung zu erledigen und natürlich für den Austausch mit Auftraggebern und potenziellen Kunden.

Mit dem Studium auf die Bretter, die die Welt bedeuten
Während der Kulissenbauer also verschiedene berufliche Hintergründe haben kann, setzt der Beruf des Bühnenbildners ein Studium im Bereich Bühnen- und Kostümbild voraus. Nach dem Bachelor folgt für die meisten Studenten noch der Master, eine Promotion, Weiterbildungen und Spezialisierungen sind ebenfalls möglich. Der Bühnenbildner ist eng in das Team aus Intendanten, Regisseuren, Technikern und Schauspielern eingebunden und fertigt erste Skizzen und Modelle für die einzelnen Szenen an, die dann von den Werkstätten und Kulissenbauern umgesetzt werden.

Bei einer festen Anstellung an Theatern oder Opernhäusern liegt die tarifliche Mindestgage laut der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) bei 1.676 Euro im Monat.

Foto: Birte Schwarz

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