Berufsbilder


Logopäde werden: Sprechen ist Pflicht

Ob Stottern, Sprachentwicklungsstörung oder permanente Heiserkeit: Menschen, die unter Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörbeeinträchtigungen leiden, sind bei Logopäden in den richtigen Händen. Die Logopädie ist eine noch junge medizinisch-therapeutische Disziplin – erst seit 1980 werden Logopäden ausgebildet.

Gülin Özel und Sabine Rapkauskas machen eine Ausbildung zur Logopädin. Foto: Mario Zgoll„Wir behandeln Patienten mit Störungen der Stimme, der Sprache, des Sprechablaufs, des Redeflusses, der Nahrungsaufnahme und des Gehörs. sagt Gülin Özel (22). Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr an der Berufsfachschule für Logopädie Hendriks & Medau in Kassel. Ziel ihrer Arbeit ist es, die Kommunikationsfähigkeit aufzubauen, zu verbessern oder wiederherzustellen. „Menschen aller Altersgruppen können davon betroffen sein. Häufig sind es jedoch Kinder“, sagt Gülin.

Logopäden behandeln beispielsweise Menschen, die Lispeln oder Stottern, Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen oder falschen Schluckmustern, Patienten nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma oder ältere Menschen, die durch eine Demenz unter Sprach- und Sprechstörungen leiden. Gearbeitet wird mit Atemübungen, motorischen Techniken und Bewegungstherapien für die Gesichtsregion.

Arbeit praxisnah kennenlernen
Logopäden arbeiten in Kliniken, Logopädischen Praxen, Sonderpädagogischen Einrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen, Logopädieschulen und auch in der Forschung. Einige Arbeitsbereiche lernen die Azubis während Praktika kennen. Verpflichtend sind für sie ein vierwöchiges Praktikum im Kindergarten und jeweils ein achtwöchiges Praktikum in einer Einrichtung, in der Kinder beziehungsweise Erwachsene behandelt werden.

Sabine Rapkauskas (21) ist im dritten Ausbildungsjahr an der Berufsfachschule für Logopädie. Sie hat unter anderem ein Praktikum in einer logopädischen Praxis absolviert. Dort hat sie im Bereich kindliche Artikulationsstörung, Sprachentwicklungsverzögerungen- und -störungen gearbeitet: „Meine selbst durchgeführten Therapien habe ich vor -und nachbereitet. Nach der Therapie fand eine Nachbesprechung statt.“

Sabine findet es gut, auf diese Weise Erfahrungen zu sammeln: „Ich habe viele Störungsbilder, Therapiemethoden, Materialien und Tests kennengelernt. Ich durfte Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern therapieren. Zudem durfte ich bei vielen Therapien hospitieren.“ Die größte Herausforderung für sie: „Die Elternarbeit.“

Freude an der Arbeit mit Menschen
Gülin hat sich für diesen Ausbildungsberuf entschieden, weil sie Freude an der Arbeit mit Menschen hat und daran, ihnen zu helfen. Sie sagt: „Man sollte unbedingt vertraut im Umgang mit Menschen sein.“ Sabines Interesse gilt Störungen der Stimme, der Sprache, des Sprechablaufs und des Redeflusses. „Ein anderer Beruf kam für mich nie in Frage.“

Teamfähigkeit, ein offener Umgang mit Menschen, soziale Kompetenz, Einfühlsamkeit, Disziplin und Flexibilität sind wichtige Voraussetzungen für diesen Beruf. Darüber hinaus: eine gute Stimme, ein gutes Gehör, musische Begabung und eine klare Sprache. Denn: Sprechen ist Pflicht. Wer die Kommunikation therapieren möchte, muss selber kommunizieren können.

Ausbildung dauert drei Jahre
Die praxisnahe Ausbildung dauert drei Jahre. An der Kasseler Berufsfachschule gibt es regelmäßig Lernzielkontrollen, schriftliche und mündliche Arbeiten. Die Ausbildung wird mit einer Prüfung zum staatlich anerkannten Logopäden abgeschlossen. Neben der Ausbildung an Berufsfachschulen und privaten Lehranstalten gibt es mittlerweile auch Hochschulstudiengänge.

„Die Inhalte sind so abwechslungsreich wie das Berufsbild“, sagt Gülin. Im Hauptfach Logopädie lernt man Störungsbilder kenn. Weiterhin erwirbt man Grundlagen in medizinischen, pädagogischen, psychologischen und sprachwissenschaftlichen Fächern wie Anatomie, Neurologie, Psychiatrie, Linguistik, Pädagogik oder Soziologie. Weitere Inhalte sind Berufs- und Gesetzeskunde, Stimmbildung, Musiktherapie, Gesprächsführung und Psychomotorik. Für Gülin war das Fach Anatomie eine Herausforderung: „Da ich keine Vorkenntnisse in dem Bereich hatte.“

Gülin möchte sich später gerne selbstständig machen. Allerdings muss sie dafür zuvor zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet haben. Sabine plant nach dem Abschluss, in einer logopädischen Praxis zu arbeiten.

Voraussetzungen
●  Mittlerer Bildungsabschluss
●  Vollendung des 16. Lebensjahres
●  Lernbereitschaft und Lernfähigkeit
●  Medizinisches Interesse
●  Gute Sprachfähigkeiten
●  Ausgeprägte Beziehungsfähigkeit
●  Positives Denken
●  Eignungsprüfung

Warum werden Logopäden gebraucht?
In Deutschland leben rund 1,5 Millionen behandlungsbedürftige Menschen mit Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Die Folgen sind Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Wiedergeben und Planen von Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen, Schul- und Ausbildungsproblemen. Ihr Leben wird immens beeinträchtigt, sie haben Kontaktschwierigkeiten, leiden nicht selten unter Vereinsamung und sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet. 15 Prozent der Vorschulkinder sind behandlungsbedürftig. Nur 49 Prozent der Behandlungsbedürftigen sind in einer Therapie. Der Therapiebedarf steigt mit dem demografischen Wandel. Zurzeit werden zwischen 5.000 und 8.000 Logopäden gebraucht.

Foto: Mario Zgoll

Teilen, drucken, mailen:

Diskussion

Keine Kommentare zu “Logopäde werden: Sprechen ist Pflicht”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen