Berufsbilder


Maskenbildner werden

Spannende Ausbildung am Theater

Carina Bemmerl kommt von weit her, um sich am Staatstheater Kassel zur Maskenbildnerin ausbilden zu lassen: aus Ingolstadt. „Die Ausbildungsplätze sind limitiert, denn nicht jedes Theater bietet welche an“, erzählt die 25-Jährige. Zurzeit bereitet sie sich auf ihre Abschlussprüfung vor, sie ist bereits im dritten Lehrjahr. „Die Prüfungsvorbereitung ist sehr zeitintensiv. Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit ist Minimum“, sagt sie.

Ab 8 Uhr beginnt Carinas Arbeitstag. Meist arbeitet sie im Tagesdienst in der Werkstatt des Theaters, in der alles für die Vorstellungen vorbereitet wird. Dort werden zum Beispiel Perücken und Haarteile genäht und geknüpft, Masken oder Gesichtssteile mit Gips, Latex und Silikon gefertigt. Die Auszubildende beschreibt die vielen Aufgaben als anspruchsvoll: „Feinmotorik und Geschick werden täglich gefordert.“ An vielen aufwändigen Perücken zum Beispiel arbeiten sie und ihre Kollegen eine Woche oder länger. Neben viel Geduld wird dabei auch die körperliche Belastbarkeit auf die Probe gestellt.

Faszination Veränderung
Auch im Abenddienst wird sie regelmäßig eingesetzt. Dann ist ihr Arbeitsplatz nicht in der Werkstatt, sondern in einem der vielen Schminkräume des Theaters. Dort schminkt und frisiert sie die Schauspieler, Sänger und Tänzer für die Vorstellungen. In den Pausen und nach den Vorstellungen wird um- beziehungsweise abgeschminkt. Es fasziniert sie, Menschen zu verändern. Egal ob man sie schöner oder hässlicher macht. „Ich finde es schön, dass ich das, was ich in den letzten Jahren gelernt habe bei den Vorstellungen zeigen kann. Es gibt in diesem Beruf nichts Wichtigeres als Arbeitsroutine. Das gibt Sicherheit in den Abläufen und erleichtert die Arbeit enorm.“

Spannend findet Carina auch, dass kein Arbeitstag dem anderen gleicht. „Man lernt viele Menschen kennen, die man sonst nicht treffen würde. Unser Ensemble besteht aus Künstlern aus der ganzen Welt.“ Ebenso gefällt ihr der Prozess der Verwandlung, den die Künstler für eine Vorstellung durchleben. „Unter Zeitdruck etwas Tolles zu machen und dabei auf den Darsteller einzugehen, das ist die Herausforderung.“

Für den Berufsschulunterricht fährt sie von Kassel nach Hamburg. Die Hamburger Berufsschule ist eine von vier Berufsschulen bundesweit. Zweimal pro Spielzeit besucht sie dort sechs Wochen den Blockunterricht. „Ich schlafe in Hostels oder WGs. Das Theater übernimmt die Kosten“, erzählt sie.

Viele spannende Themen stehen in der Berufsschule auf dem umfangreichen Lehrplan. Im Fach Kunst- und Kulturgeschichte lernen die Schüler alles über die wichtigsten zeitgeschichtlichen Epochen. Angefangen bei den Griechen bis zur Neuzeit. Politische Hintergründe aber auch Kleidung, Frisurenmode, Kunst und Architektur sind Teil dieses Faches.

Auch Englisch ist ein essentielles Fach: „Fachenglisch ist wichtig, um sich mit internationalen Künstlern auszutauschen. Man braucht ein gewisses Vokabular, um dem Darsteller auf Englisch erklären zu können, was geschminkt wird oder wie die Frisur aussehen soll“, erläutert Carina. Auch Grundlagen der menschlichen Anatomie, besonders Knochenbau und Gesichtsmuskulatur, stehen auf dem Lehrplan.

Gefragter Beruf
Neben den staatlichen Theatern bieten auch Privatschulen die Ausbildung zum Maskenbildner an, „Doch beim Theater handelt es sich um den klassischen Ausbildungsweg“, sagt Carina. „Die Ausbildung an den privaten Schulen ist sehr intensiv, denn dort kann jeden Tag geübt werden, ohne Produktionsstress. Aber der Theateralltag fehlt.“

Susanne Füllhase ist Carinas Ausbilderin. Die staatlich geprüfte Maskenbildnerin arbeitet seit 34 Jahren am Kasseler Staatstheater. Sie sagt über die Voraussetzungen, die Bewerber mitbringen müssen: Geschicklichkeit, Stressresistenz, Improvisationstalent, sicheres Auftreten, Kreativität, Farb- und Stilempfinden. „Der Beruf ist sehr gefragt“, unterstreicht sie.

Füllhase ist dabei, wenn aus der großen Bewerberzahl einige zum Praktikum eingeladen werden: „Hier schauen wir, wie geschickt sie sind.“ So werden zum Beispiel ihre Fertigkeiten beim Modellieren, Zeichnen, Schminken und Frisieren auf den Prüfstand gestellt. Mit anspruchsvollen Übungen will man zum Beispiel testen, ob sie in der Lage sind, zu improvisieren und unter Druck zu arbeiten.

Im Vorfeld ein Praktikum zu machen hält Carina für klug, um sich ein genaues Bild der Theaterwelt zu machen. Sie absolvierte ein einjähriges Praktikum am Ingolstädter Theater. Ein weiterer Bonus, den sie mitbringt, ist die Ausbildung zum Make-Up-Artist. „Es ist eine gute Zusatzqualifikation“, bestätigt Füllhase. Ursprünglich hatte die Fachabiturientin sogar noch einen ganz anderen Beruf erlernt: PTA. Doch sie stellte bald fest, dass sie „unbedingt etwas Künstlerisches machen“ wollte und so entschied sie sich für diesen spannenden Weg.

Der Beruf in Kürze
Maskenbildner arbeiten für Theater, Oper, Musical, Film und Fernsehen. Nach Vorgaben der Kostüm- bzw. Chefmaskenbildner schminken sie Darsteller, fertigen Perücken, Haarteile und Bärte oder arbeiten vorhandene auf. Ebenso stellen sie plastische Gesichts- und Körperteile her und passen sie den Darstellern an, um zum Beispiel Hautveränderungen oder Narben zu simulieren, oder sie gestalten Tier- und Fantasiemasken. Vor Vorstellungen und Dreharbeiten verhelfen sie Künstlern zum Beispiel durch Charakter- oder Altersschminken zum gewünschten Rollenaussehen, frisieren sie und bringen plastische Maskenteile auf und betreuen sie während der Vorstellung. Nach den Auftritten nehmen sie ihnen Perücken, Haar- und Maskenteile ab, bringen sie wieder in Ordnung und lagern die Utensilien ein. Ausgebildet wird der Beruf an Theatern, Opernhäusern, Fernsehanstalten, Filmstudios und Privatschulen. Voraussetzung: mittlerer Bildungsabschluss oder Hochschulreife. Dauer: drei Jahre.

Fotos: Mario Zgoll

Teilen, drucken, mailen:

Diskussion

Keine Kommentare zu “Maskenbildner werden”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen