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Ausbildung beim Norddeutschen Rundfunk

Hinter den Medienkulissen: Über flüchtende Gäste, einen Studio-Sturm und sonstige Abwechslungen

Foto: NDRBekannte Gesichter bietet das Fernsehen in großer Anzahl, das Radio wartet mit vielen wiedererkennbaren Stimmen auf. Die überwältigende Mehrheit der Angestellten eines Senders aber kennt kaum jemand. Hinter den Kulissen arbeiten Hunderte am reibungslosen Ablauf – in der Produktion ebenso wie in der Verwaltung. Dass dabei der qualifizierte Nachwuchs nicht ausbleibt, dafür ist gesorgt: Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) mit Hauptsitz in Hamburg werden junge Menschen in acht Berufen ausgebildet, um am großen Ganzen mitzuwirken. Enorme Abwechslung ist garantiert, gerade im Hinblick auf Live-Sendungen müssen die Auszubildenden schnell auf veränderte Situationen reagieren können.

Sie gehört zu den Klassikern im Programm: die NDR Talk Show. Alle vierzehn Tage am Freitagabend unterhalten sich Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt mit ihren Gästen über deren Leben und ihre aktuellen Projekte. Die Show macht keinen Halt vor großen Namen; Wladimir Klitschko, Iris Berben und Moritz Bleibtreu hatten beispielsweise für die Talk Show Ende Februar 2015 zugesagt. Nicht nur für die Moderatoren, sondern für alle Beteiligten hält eine solche Live-Sendung viele Herausforderungen bereit – inhaltlich ebenso wie logistisch. Während der Zuschauer daheim die Gespräche genießt, haben etliche Menschen in der Vorbereitung längst viel Arbeit geleistet.

Bis der Ton passt, sind viele Einstellungen nötig. Foto: NDRWährend der Ausstrahlung muss alles sitzen. Die Einblendung der Namen, die Einspielung von Filmbeiträgen – im auf Perfektionismus bedachten Betrieb kann ein falscher Klick schnell eine echte Krisensituation auslösen. Den Auszubildenden beim NDR, eine von neun Landesrundfunkanstalten innerhalb der ARD, begegnen solche Momente immer wieder: „Es gibt diverse Unwägbarkeiten im Live-Betrieb“, weiß Ausbilder Torsten Hermann, Ingenieur in der Fernsehproduktion – kurz: Bildingenieur – beim NDR. Zu 50 Prozent ist er in der Produktion tätig, die andere Hälfte seiner Arbeitszeit wendet er für die Schulung von jungen Menschen in der Ausbildung auf.

Eben die wird beim NDR großgeschrieben. Acht Ausbildungsberufe bietet der öffentlich-rechtliche Sender an. In allen wechseln sich Theorie und Praxis ab, der Arbeitseinsatz erfolgt für die Aufnahme-Volontäre zudem an vielen Standorten – nicht nur im Norden, sondern in der gesamten ARD-Familie.  „Es wird hier nie langweilig“, sagt Gerald Mechnich, Abteilungsleiter des Referats „Ausbildung und Weiterentwicklung Medienberufe“. „Als Medienunternehmen sind wir vielleicht stärker am Puls der Zeit als andere.“ Mechnich streicht einige wichtige Faktoren heraus, auf die beim NDR besonderer Wert gelegt wird: „Wir erwarten Achtung und Respekt voreinander und die Bereitschaft und Fähigkeit, in einem Team zu arbeiten.“

Spezialisierung ist gefragt
In Hamburg-Lokstedt liegt die Zentrale des NDR-Fernsehens. Mehr als 3.000 Festangestellte zählt der Sender insgesamt. Foto: nhDiese Teamarbeit hat Felix Bröder bereits kennengelernt. Er hatte schon direkt nach dem Abitur einen Bezug zum NDR, denn der 20-Jährige arbeitete eineinhalb Jahre lang als Kabelhelfer beim Sender aus dem Norden und wurde dort auf die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton aufmerksam. „Das mediale Umfeld“ habe ihn von Beginn an gereizt. „Ich wollte zum einen mit Menschen und zum anderen mit Technik zu tun haben“, so Bröder, der sich im ersten Lehrjahr befindet. Aus seiner praktischen Tätigkeit kannte er zudem das „positive Arbeitsklima“. So entschied er sich für den NDR – und der für ihn.

Bröders Ausbildungszweig ist außerordentlich komplex und umfasst die Bereiche Kamera, Hörfunk, Bildgestaltung und Schnitt. Nicht zufällig umschreibt der NDR Mediengestalter als „Alleskönner“. Spätestens im dritten Lehrjahr gilt es, sich für eine Richtung zu entscheiden. „Denn es ist ein sehr breites Berufsbild“, weiß Markus Friebe. Er hat sich bereits festgelegt: Von 2010 bis 2013 zum Mediengestalter Bild und Ton geschult arbeitet er inzwischen als Kamera-Assistent beim NDR. Die „große Abwechslung“, die Felix Bröder nach wenigen Monaten herausstreicht, sieht Friebe ebenfalls als Vorzug seines Berufs: „Es macht großen Spaß, flexibel zu arbeiten. Es sind immer neue Leute vor und hinter der Kamera.“

In zahlreichen Aufgabenbereichen kommen die Auszubildenden viel herum. Beispiel: Aufnahmeleiter. Ohne sie geht gar nichts. Dajana Klug ist als solche beim NDR tätig und weiß: „Katastrophen treten häufiger mal auf.“ Klassisches Beispiel: Statt im Studio auf das Interview zu warten, steht der vorgesehene Gast im Stau auf der Autobahn. In diesem Fall ist die Kreativität der Aufnahmeleiter gefragt, die nun versuchen müssen, den Gast irgendwie doch noch pünktlich vor Ort zu bekommen. Später achten sie auf den korrekten Ablauf der Sendung – und sind stets die ersten am Set und die letzten, die gehen.

Gute Bilder wirken im Fernsehen nur, wenn auch Licht und Ton stimmen. Foto: NDRUm auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet zu sein und den Job mit größtmöglicher Übersicht ausführen zu können, werden die Auszubildenden in ihren zwei Jahren in drei Praxisblöcken auf die Zukunft als eigenständiger Aufnahmeleiter vorbereitet. Diese Einsätze finden unter anderem bei Partnern wie dem Westdeutschen Rundfunk, Radio Bremen oder dem Hessischen Rundfunk statt. Fachübergreifend gilt: Die Auszubildenden in allen Berufen sollen frühzeitig in alle Abläufe mit eingebunden werden. Eng mit den Auszubildenden zusammenzuarbeiten, das hat sich auch Ausbilder Torsten Herrmann auf die Fahnen geschrieben: „So erkennt man spezielle Fähigkeiten frühzeitig, um sie zu fördern.“

Einsatz in schwindelnder Höhe
Auf der Zielgeraden in ihrer Ausbildung befindet sich Carolin Kirschner. Sie ist im dritten Lehrjahr zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Ob im Studio oder außerhalb – mit ihrer Arbeit zeigt sie sich vollkommen zufrieden: „Allein das Angebot an Seminaren, die wir während der Ausbildung absolvieren, macht mich noch immer sprachlos.“ Im Mittelpunkt der Arbeit steht für Carolin Kirschner der Aufbau von Studiokulissen, bei externen Einsätzen kommen Bühnenpodeste oder Lichtgitter hinzu. Dabei profitiert sie von der Tischlerausbildung, die sie zuvor abgeschlossen hat. Immer wieder komme sie mit ihren Kollegen an den Punkt, „an dem wir uns fragen, wie man das alles schaffen soll. Das Faszinierende dabei ist: Es klappt immer.“

Ihre Einsätze können durchaus in schwindelnder Höhe stattfinden, denn große Bühnen wie beim Reeperbahn Festival in Hamburg bauen sich nicht von alleine auf. Überhaupt ist der NDR weit mehr als „nur“ ein Sender, tritt er doch bei Konzerten und anderen Events nicht nur als Präsentator, sondern auch regelmäßig als Veranstalter auf. Da muss jeder Handgriff sitzen. Carolin Kirschner lobt übrigens explizit die offene Atmosphäre: „Wenn wir Ideen oder Wünsche haben, werden diese gerne von Ausbildern und Meistern gehört und, sofern sie hilfreich sind, auch umgesetzt“, so die 24-Jährige. „Und wenn es um Ideen in der Ausbildungsabteilung geht, dann dürfen wir viel spielen, ausprobieren, planen und umsetzen.“ Bestes Beispiel: Ehemalige Azubis hatten entscheidenden Anteil an Umbau und Neugestaltung des Ausbildungsstudios für Mediengestalter. „Diese Identifikation ist toll“, freute sich Ausbildungsleiter Wolfgang Conrad bei der Einweihung.

Livebetrieb mit Überraschungen
Bevor Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt mit ihren Gästen plaudern, ist viel Vorarbeit nötig – erledigt wird sie nicht zuletzt auch durch die Auszubildenden. Foto: NDRDass der NDR seine Ausbildungsangebote ohnehin mit großem Engagement betreibt, ist direkt an den Online-Informationsquellen zu erkennen. Jeder der Berufe wird ausführlich vorgestellt, zahlreiche Video-Interviews mit aktuellen oder ehemaligen Auszubildenden informieren über Inhalte. Die Unterseiten zu den einzelnen Berufen wurden, natürlich, von Lehrlingen gestaltet. Und wie stellen sich Felix Bröder und Carolin Kirschner ihre Zukunft vor? Beide liebäugeln mit „Qualifikationsverträgen“, die eine befristete Anstellung im Sender ermöglichen. Carolin Kirschner kann sich aber ebenso gut vorstellen, auf Berufsschullehramt zu studieren. „Dann kann ich mein Wissen an andere Auszubildende weitergeben.“

Trotz aller Theorie und Praxis, die den jungen Menschen in ihrer Zeit beim NDR begegnen, gilt: Die beste Planung und Vorbereitung aller Abläufe sind vor unbeeinflussbaren Ereignissen nicht geschützt. Das betrifft auch die NDR Talk Show: Ins Studio stürmende Hafenstraßen-Besetzer gehörten dort ebenso zu den ganz speziellen Herausforderungen wie Schauspieler Klaus Löwitsch. Der suchte beim Anblick seiner Ex-Freundin, die ebenfalls geladen war, lieber das Weite, als seiner Einladung als Gesprächsgast nachzukommen. Gut zu wissen in solchen Augenblicken: Der Sendebetrieb läuft trotz aller Unwägbarkeiten sehr glatt; nicht zuletzt auch dank der vielen Auszubildenden.

Ausbildung beim Norddeutschen Rundfunk
Ausbildungsberufe:
·     Informationselektroniker/-in
·     Aufnahmeleiter/-in
·     Programm-Volontär/-in
·     Mediengestalter/-in Bild und Ton
·     Veranstaltungstechniker/-in
·     Kaufmann/-frau für audiovisuelle Medien
·     Kaufmann/-frau für Büromanagement
·     Fachinformatiker/-in
·     Systemintegration

Website mit wichtigen Informationen zu Inhalten und Bewerbung: http://www.ndr.de/der_ndr/karriere/ausbildung/index.html

(Autoren: Torben Rosenbohm / Mareike Lange)

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