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Geld clever anlegen II

Rendite und Risiko gehören eng zusammen: Wer mehr Ertrag will, muss bei der Geldanlage größere Risiken eingehen, wer sein Geld sicher anlegen will, muss Abstriche bei der Rendite machen. Der „risikolose Zins“ für bombensichere Geldanlagen (z.B. deutsche Staatsanleihen) ist dabei die absolute Untergrenze: Wer weniger Sicherheit bietet, muss mehr Ertrag in Aussicht stellen. Diese höheren Erträge sind aber nicht garantiert! Grundsätzlich ist Risiko also nichts Schlechtes, denn es geht bei der Geldanlage immer darum, eine ausgewogene Kombination von Ertragsmöglichkeiten und Risiko zu finden.

Flexibilität und Verfügbarkeit
Mit Flexibilität ist gemeint, dass Du Deine Einzahlungen schnell und unkompliziert anpassen kannst, und zwar nach unten (z. B. bei vorübergehender Arbeitslosigkeit) oder auch nach oben (z. B. bei einer Gehaltserhöhung).

Unter Verfügbarkeit versteht man, wie schnell Du auf Dein Geld zugreifen kannst. Das hängt zum einen mit der Kündigungsfrist zusammen, und es gibt sogar Produkte, die überhaupt nicht vorzeitig kündbar sind, wo Du also das Vertragsende abwarten musst, bis Du Dein Geld bekommst. Es kann aber auch sein, dass es bei bestimmten Geldanlagen Höchstbeträge für eine Auszahlung gibt, sodass Du dann trotz rechtzeitiger Kündigung nicht an die ganze Summe herankommst. Das ist insbesondere in finanziellen Notlagen ein echtes Problem.

Weiterhin ist unbedingt zu prüfen, ob Du bei einem vorzeitigen Zugriff auf Dein Geld Nachteile bei der Rendite hast, z.B. durch Sondergebühren oder weil Dir bestimmte Zinsanteile erst nach vielen Jahren gutgeschrieben werden und bei einer frühen Kündigung verloren gehen.

Kapitalisierbarkeit
Wenn Du Dir am Vertragsende Deine Ersparnisse in einer Summe auszahlen lassen kannst, spricht man von „Kapitalisierbarkeit“. Bei manchen Geldanlagen ist dies nicht möglich, sondern Du erhältst z.B. immer nur eine monatliche Rente bis zum Tod. Bei einer kapitalisierbaren Geldanlage bist Du natürlich wesentlich beweglicher und kannst z.B. auch größere Ausgaben finanzieren wie einen barrierefreien Umbau Deines Hauses.

Besteuerung
Je nach Geldanlage kann es sein, dass alle oder nur ein Teil Deiner Erträge besteuert wird. Ebenso ist zu unterscheiden, ob diese Erträge jedes Jahr bei der Gutschrift oder erst am Ende des Vertrages in einer Summe der Steuer unterliegen. Und dann kann auf eine Geldanlage entweder die „Abgeltungssteuer“ von 25 Prozent (plus Soli und eventuell Kirchensteuer) fällig werden oder Dein persönlicher Steuersatz, der höher oder auch niedriger als 25 Prozent liegen kann. Ein Produkt, das auf den ersten Blick eine attraktive Rendite hat, kann so durch eine ungünstige Besteuerung deutlich verlieren.

Einsatz als Sicherheit
Wenn Du einmal einen größeren Kredit benötigst (z. B. für den Kauf eines Eigenheimes), kann die Bank von Dir „Sicherheiten“ verlangen. Das sind andere Vermögensgegenstände, die die Bank verkaufen kann, wenn Du Deinen Kredit nicht bezahlen kannst. Manche Geldanlagen dürfen nicht als Sicherheiten verwendet werden, was Dir ebenfalls wieder finanziellen Spielraum nimmt.

Übertragbarkeit
Hiermit ist gemeint, dass Du Dein Vermögen auch an eine andere Person verschenken kannst, z. B. an Deine späteren Kinder, um sie beim Bau eines Hauses finanziell zu unterstützen. Das ist bei manchen Geldanlagen problemlos möglich, bei anderen komplett ausgeschlossen.

Vererbbarkeit
Auch wenn es Dir derzeit vollkommen unvorstellbar erscheint, aber es ist natürlich möglich, dass Du während der Vertragslaufzeit stirbst. Dann stellt sich die Frage, ob Dein Geld an Deine Verwandten oder andere Erben, die Du in einem Testament festgelegt hast, ausgezahlt werden kann. Auch hier gilt wieder: Viele Geldanlagen sind vererbbar, manche nicht. Wenn Dein Geld nicht vererbbar ist, ist es im Ernstfall damit auch für Deine Hinterbliebenen verloren.

Scheidung
Auch wenn die meisten von Euch noch nicht verheiratet sind, werden viele später heiraten oder eine Lebenspartnerschaft eingehen. Im Falle einer Scheidung stellt sich dann oft die Frage, was mit den Geldanlagen geschieht und wer wem wie viel abgeben muss. Dabei spielt es z. B. eine Rolle, ob die Verträge zur Geldanlage bereits vor oder erst nach der Hochzeit abgeschlossen wurden oder wie viel Geld jeder Partner mit in die Ehe gebracht hat. Auch wenn Dir diese Fragen noch weit weg erscheinen – spätestens vor der Hochzeit gehören diese Punkte auf den Prüfstand!

Wegzug ins Ausland
Wenn Du während Deines Erwerbslebens oder im Ruhestand im Ausland lebst, kann das erheblichen Einfluss auf Deine Geldanlagen haben. So kann es sein, dass Du vom Ausland aus auf bestimmte Geldanlage nur schwer oder sogar überhaupt nicht zugreifen kannst. Ebenso kann sich die Besteuerung ändern oder staatliche Zuschüsse fallen weg oder werden sogar zurückgefordert (z. B. bei der Riester-Rente). Azubis in internationalen Konzernen oder alle, die sich generell vorstellen können, einmal längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten, sollten diese Fragen also unbedingt vor einer Geldanlage prüfen.

Fazit
Je nach Geldanlage solltest Du einige Punkte vor dem Vertragsabschluss genauer unter die Lupe nehmen. Dies geht am besten, wenn Du die hier genannten Punkte als Checkliste nutzt, systematisch abarbeitest und dabei auch neutrale Experten zu Hilfe nimmst, z.B. eine Verbraucherzentrale. Dann bist Du einer erfolgreichen Geldanlage schon deutlich näher gekommen!

Teil 1 des Artikels findest Du in der Ausgabe 02/2015 des FUTUREPLAN magazine.

Martin Kinkel, 50 Jahre, ist diplomierter Volkswirt und Diplom-Kaufmann. Er schreibt als freier Fachautor zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen und ist Verfasser des Ratgebers „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“ (Leseprobe unter www.jobmoney.de).

 

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