Tipps & Tricks


Probearbeiten

Arbeitsrechtliche Regeln und Tipps
Das Bewerbungsverfahren ist häufig aufwendig und aufregend. Nachdem zahlreiche Bewerbungen geschrieben und Bewerbungsgespräche geführt wurden, folgen nicht selten Einladungen zum Probearbeiten. Hierbei soll anderen Mitarbeitern für einige Stunden oder sogar einige Tage über die Schultern geschaut und kleinere Aufgaben übernommen werden. Doch auch hierbei sieht das Arbeitsrecht einige Regelungen vor, die beachtet werden müssen. Welche das sind, klärt der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. auf seinem kostenlosen Ratgeberportal.

Foto: nhUnterschied zur Probezeit
Verwechselt wird das Probearbeiten häufig mit der Probezeit. Hierbei bestehen aber wesentliche Unterschiede, welche vor allem die arbeitsrechtlichen Regelungen und Vorgaben betreffen. Während bei der Probezeit bereits ein Arbeitsverhältnis besteht, welches vergütet wird, geht das Probearbeiten dem tatsächlichen Arbeitsverhältnis voraus. Es dient dazu, das Unternehmen und dessen Mitarbeiter vorab kennenzulernen und kann daher einem Schnuppertag gleichgesetzt werden. Zwar kann auch die Probearbeit vergütet werden, jedoch geschieht das in Form einer Aufwandsentschädigung und wird nicht als Arbeitslohn angerechnet.

Wann richtig versichert?
Viele potentielle Arbeitnehmer fragen sich, ob beim Probearbeiten ein Versicherungsschutz besteht. Entsteht am Tag des Probearbeitens durch den Interessenten ein Schaden am Unternehmen, greift die private Haftpflichtversicherung des Betroffenen und übernimmt den Schaden. Wird dem Interessenten jedoch selbst ein Schaden zugefügt, z.B. durch einen Arbeitsunfall, übernimmt die Unfallversicherung des Unternehmens den Schaden nicht, da der Betroffene zu diesem Zeitpunkt bei dieser noch nicht gemeldet ist. Eine Ausnahme besteht lediglich, wenn der Interessent von der Agentur für Arbeit zum Probearbeiten geschickt wurde und sich zuvor als arbeitssuchend gemeldet hat.

Wann beim Finanzamt melden?
Auch eine Sozialversicherung besteht für den Interessenten nicht, insofern dieser keine Sozialleistungen bezieht. Das bedeutet, dass der Probetag nicht beim Finanzamt angemeldet sein muss. Handelt es sich beim Interessenten jedoch um einen als arbeitssuchend Gemeldeten, der zudem Sozialleistungen bezieht, muss der Probetag gemeldet werden.

Maximal eine Woche
Hinsichtlich der Dauer des Probearbeitens bestehen ebenfalls Einschränkungen durch das Arbeitsrecht. Zwar besteht keine einheitliche Rechtssprechung, welche angibt, über welchen Zeitraum dies stattfinden darf, allerdings wird dazu geraten, das Probearbeiten auf maximal eine Woche zu beschränken. In der Regel findet das Probearbeiten jedoch nur für einige Stunden statt.

Vergütung im Ermessen des Unternehmens
Einen Anspruch auf die Vergütung der Arbeitstage besteht für potentielle Arbeitnehmer des Unternehmens nicht. Hierbei kann sich auch nicht auf den Mindestlohn berufen werden. Dennoch liegt es im Ermessen des Arbeitgebers, ob dieser dem potentiellen Arbeitnehmer eine kleine Aufwandsentschädigung für die getätigte Arbeit auszahlt. In einem solchen Fall sollte allerdings schriftlich festgehalten werden, dass es sich dabei nicht um eine Bezahlung für die geleistete Arbeit handelt. Dennoch sollte immer darauf geachtet werden, welche Aufgaben an einem Probetag übernommen werden. In der Regel sollte der potentielle Arbeitnehmer diesen nur dazu nutzen, um anderen Mitarbeitern über die Schulter zu schauen oder maximal kleine Aufgaben zu erlernen. Verantwortungsvolle Aufgaben dürfen hingegen erst mit bestehendem Arbeitsvertrag verrichtet werden.

Vereinbarungen treffen
Wichtig ist auch, dass vor dem Antritt des Probetages einige Vereinbarungen getroffen werden. Diese sollten schriftlich festgehalten und von beiden Parteien unterschrieben werden. In einem Formular zum Probearbeiten können alle Rahmenbedingungen, die den Kennenlerntag betreffen, aufgeführt werden. Hierzu zählen z.B.:

  • Name und Anschrift des Bewerbers und des Unternehmens,
  • Ort des Probearbeitens,
  • Name des Ansprechpartners,
  • Dauer des Probearbeitens,
  • Vermerk zur geltenden Hauspflicht,
  • Aufklärung darüber, dass kein Arbeitsverhältnis und somit keine Arbeitsverpflichtung besteht,
  • Hinweis, dass kein Vergütungsanspruch besteht,
  • Hinweis, dass das Probearbeiten von beiden Parteien zu jedem Zeitpunkt beendet werden kann.

Weitere Informationen zum Thema ?„Probearbeiten“ gibt es unter www.anwalt.org.

Von Isabel Frankenberg

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