Recht


Urlaub – ein Überblick

Habe ich als Azubi das gleiche Recht auf Urlaub wie ein Arbeitnehmer? Was gilt für mich?
Urlaub? Und wenn ja, wie viel? Auch als Azubi besteht ein Recht auf Erholungsurlaub. Der Mindesturlaub ist gesetzlich geregelt. Als minderjährigem Azubi (entscheidend ist das Alter am 1. Januar eines Jahres) stehen einem nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) mindestens 25–30 Werktage Urlaub zu, je nach Alter. Bei volljährigen Azubis gilt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Danach beträgt der Mindesturlaubsanspruch 24 Werktage. Im ersten und letzten Jahr der Ausbildung besteht der Urlaubsanspruch in der Regel nur anteilig für jeden vollen Ausbildungsmonat.

Foto: © Adnan Seferovic/shutterstock.comDer Ausbildungsbetrieb kann im Ausbildungsvertrag zugunsten des Azubis mehr Urlaub gewähren. Mehr Urlaubstage können sich zum Beispiel auch aus einem Tarifvertrag ergeben. Wichtig ist darauf zu achten, ob – wie im Gesetz – von Werktagen die Rede ist oder zum Beispiel von Arbeitstagen. Werktage sind alle Tage von Montag bis Samstag. Wenn der Urlaub in Werktagen berechnet wird, muss ein Azubi unabhängig von der Anzahl der Arbeitstage sechs Tage Urlaub nehmen, um eine Woche frei zu bekommen.

Daneben kann es in bestimmten Fällen Sonderurlaub geben oder Zusatzurlaub für schwerbehinderte Azubis.

Wie läuft das mit dem Urlaubsantrag?
Der Urlaub ist vom Azubi zu beantragen. Er sollte schriftlich beantragt werden, um etwas „in der Hand“ zu haben. Wichtig ist, nicht einfach in Urlaub zu gehen. Eine sog. Selbstbeurlaubung kann bis zu einer Kündigung führen. Urlaub darf erst angetreten werden, wenn der Betrieb zugestimmt hat. Am besten ist es daher, wenn der Betrieb den Urlaub schriftlich genehmigt.

Wann gibt’s Urlaub?
Wann der Azubi Urlaub nehmen darf, richtet sich in erster Linie nach dem Wunsch des Azubis. Der Betrieb darf den Wunsch nur aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen oder dann, wenn Urlaubswünsche anderer Azubis entgegenstehen, die aus sozialen Gründen (z.B. wenn sie Kinder haben) bevorzugt werden. Da Azubis gesetzlich nicht als volle Arbeitskraft gelten, sondern zur Ausbildung im Betrieb sind, gibt es nur selten eine zulässige Ablehnung durch den Betrieb.

Vor allem darf der Urlaub auch außerhalb der Berufsschulferien genommen werden. Das gilt nach dem JArbSchG erst recht für minderjährige Azubis. Aber: Urlaub beseitigt nicht die Schulpflicht. Wer also außerhalb der Berufsschulferien in Urlaub gehen möchte, muss trotzdem zur Berufsschule. Der Urlaub betrifft immer nur die Ausbildung im Betrieb. Minderjährige Azubis haben einen Vorteil, bei ihnen gibt es nach dem JArbSchG hierfür einen Ausgleichsanspruch auf einen (neuen) Urlaubstag.

Vollen Anspruch nach sechs Monaten
Nach dem Gesetz gibt es den Anspruch auf den vollen Urlaub erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten. In dieser Zeit kann der Urlaubswunsch abgelehnt werden. Da Ausbildungen in der Regel im Herbst beginnen, sollte der Azubi schriftlich beantragen, dass der Urlaub in das nächste Jahr übertragen wird.

Wichtig ist noch, dass der Urlaub mindestens für die Dauer von zwei Wochen am Stück gewährt wird. Ist man während des Urlaubs krank, so sollte man dringend ein Attest holen. Nur so behält man die Tage und kann sie zu einem späteren Zeitpunkt nehmen.

Kann der Betrieb den Urlaub zurücknehmen?
Einmal genehmigter Urlaub kann nicht mehr zurückgenommen werden. Ist der Azubi zudem bereits im Urlaub, so muss er den Urlaub nicht abbrechen und vorzeitig wieder zurückkommen.

Verfällt Urlaub?
Nach dem Gesetz muss der Urlaub im jeweiligen Kalenderjahr und damit bis spätestens zum 31.12. vollständig genommen werden. Passiert das nicht, verfallen die restlichen Tage. Es gibt keine automatische Übertragung auf das nächste Jahr. Wichtig ist deswegen, den Urlaub rechtzeitig zu beantragen.

Davon gab es bisher nur zwei Ausnahmen: Der Azubi wird zum Jahresende krank oder der Betrieb lehnt den Urlaub ab und der Urlaub konnte deswegen nicht vollständig genommen werden. In diesen Fällen wird der Resturlaub auf das nächste Jahr übertragen und muss bis zum 31.03. genommen werden. Wenn nichts anderes im Vertrag oder Tarifvertrag geregelt ist, gilt dieser Schutz jedoch nur für den gesetzlichen Mindesturlaub.

Neues wird sich ergeben
Frischer Wind kam jetzt aktuell durch Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs im November 2018 und vom höchsten deutschen Arbeitsgericht am 19. Februar 2019 auf. Jetzt gibt es eine dritte Ausnahme: Der Urlaub verfällt auch dann nicht, wenn der Azubi seinen Resturlaub nicht beantragt hat, weil der Betrieb ihn zuvor nicht aufgefordert hat den Urlaub zu nehmen und er nicht rechtzeitig darauf hingewiesen wurde, dass der Resturlaub anderenfalls mit Ablauf des Urlaubsjahres oder Übertragungszeitraums erlischt. Bei diesen Fragen zum Urlaub wird sich in der nächsten Zeit noch einiges Neues ergeben.

Urlaub oder Geld?
Eine Ausbezahlung des Urlaubs erfolgt nur, wenn am Ende der Ausbildung noch Resturlaub übrig ist und er nicht genommen werden konnte.

Philipp Hochstein. Foto: nhPhilipp Hochstein
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Hofsäß+Partner,
Fachanwälte für Arbeitsrecht
www.arbeitsrecht-karlsruhe.de

 

Foto (oben): © Adnan Seferovic/shutterstock.com

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