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Futureplan 2 2017

KALEIDOSKOP FRISS oder STIRB Larissa Sarand: „Wie mir die Magersucht auf den Magen schlug und ich ihr ins Gesicht“ „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Selten hat sich diese Volksweisheit so bewahrheitet wie bei Friss oder stirb. Über Anorexie wurde schon viel geschrieben – aber noch nie zuvor auf diese Weise! In ihrem autobiografischen Buch bricht Larissa Sarand ein Tabu: Gnadenlos ungeschönt und mit viel Galgenhumor erzählt sie von ihrer Magersucht, an der sie im Alter von 27 Jahren erkrankte. Das Lachen bleibt dem Leser hierbei gelegentlich ebenso im Halse stecken wie der Autorin ein Stück Schokolade. Doch gerade der beißende Zynismus macht dieses Buch zu etwas völlig Neuem, ohne dabei die Anorexie zu marginalisieren. 20 FuturePlan magazine Foto: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag Tragische Erkrankung und gewisse Komik „Anorexie ist eine heimtückische und hartnäckige Krankheit. Das habe ich am eigenen Leibe erfahren. Und dennoch (oder besser: deswegen) hat sie mich in Situationen gebracht, auf die ich heute mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurückblicke. Diese tragische Erkrankung entbehrt in ihren Auswüchsen nicht einer gewissen Komik – und diese werde ich ebenso wenig aus falscher Zurückhaltung heraus verschweigen wie die Abgründe, an die mich die Magersucht trieb“, sagt Larissa Sarand. Bis ans Ender der Kräfte Larissa Sarand nimmt den Leser mit auf eine rasante Fahrt von den „harmlosen“ Anfängen der Krankheit nach dem Tod ihrer Eltern bis in die schwärzesten Stunden am Rand ihrer physischen und psychischen Kräfte. Die Autorin berichtet aus erster Hand über Aspekte der Krankheit, die Außenstehenden sonst verborgen bleiben. „Magersucht ist ein Fulltime-Job. Neben dem täglichen Überangebot an Nahrungsmitteln geht nahezu jedes gesellschaftliche Event mit gemeinsamen Essen einher. Klar ergeben sich daraus ‚Herausforderungen‘ für Magersüchtige, die sich der Normalbürger in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen kann. Bis jetzt“, erklärt Larissa Sarand. Die Autorin Larissa Sarand wurde 1988 in Berlin geboren, wo sie als waschechter »Lokalpatriot «, wie sie sich selbst bezeichnet, noch immer lebt. Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau studierte sie Deutsch und Politische Bildung auf Lehramt. Ihr anschließendes Referendariat brach sie vorzeitig ab und arbeitet heute als freie Autorin. Der Magersucht hat sie den Rücken gekehrt, aber »die Magersucht noch nicht mir«, wie sie selbst sagt. DAS BUCH Larissa Sarand: FRISS ODER STIRB 224 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro (D) ISBN 978–3–86265–667–7 Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin Erscheint: 15. September 2017


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