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KALEIDOSKOP ZUKUNFT in der IT 34 FuturePlan magazine GESTALTEN Die IT ist noch immer eine Männerdomäne – vor allem in Führungspositionen. Nur wenige Frauen schaffen es bislang, Karriere als Chief Information Officer (CIO) zu machen. Petra Jaschhof ist eine der wenigen Ausnahmen: Seit 30 Jahren agiert sie im Management verschiedener Unternehmen der IT-Branche, aktuell als CIO des IT-Dienstleisters BWI. In ihrem Vortrag auf der herCareer gibt sie anhand ihrer Laufbahn persönliche Karrieretipps. Ein Gespräch über Frauen in der IT und warum es sich lohnt, sich für dieses Berufsfeld zu begeistern. FuturePlan Magazine: Frau Jaschhof, als Frau Karriere in der IT zu machen ist allein schon eher exotisch, in einer Führungsposition noch mehr. Zum CIO schaffen es meist nur Männer. Was lief bei Ihnen anders als bei anderen Frauen? Petra Jaschhof: Nun, ich wollte nie verbissen Karriere machen, sondern hatte immer den Wunsch, mein Umfeld zu gestalten und Dinge weiter zu entwickeln. Dies führte schnell zu ersten kleinen Führungsaufgaben und zu Projektverantwortung. Meine Neugierde und das Bestreben, Inhalte zu verstehen, habe ich nie verloren. Generell war sicher meine Bereitschaft zum ständigen Wandel ausschlaggebend für meinen beruflichen Erfolg. Aber es gehört natürlich auch Glück dazu – und der Mut, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. FuturePlan Magazine: War Ihre Laufbahn immer geradlinig? Oder mussten Sie auch mal Rückschläge hinnehmen oder Momente erleben, in denen Sie gesagt haben, nun schmeiße ich doch hin und gehe in einen klassischen Frauenberuf? Jaschhof: Zunächst einmal: Was ist denn heute schon ein „klassischer Frauenberuf“? Wir sollten diese Differenzierung und Einteilung in Männer- und Frauenberufe überhaupt nicht mehr verwenden. Meine Karriere lief natürlich nicht immer geradlinig und das ist auch gut so. Ich war bereits von 1997 bis 2000 CIO bei Besucherandrang auf der herCareer Fotos: herCAREER Franz Pfluegl, BWI GmbH „Frauen vermitteln, was sie alles erreichen können“ Siemens und fand diese Aufgabe schon damals sehr spannend. Aus privaten Gründen bin ich dann aber nach Thailand gegangen und habe dort beruflich die Seiten gewechselt. Ich wurde Consultant und später Projektleiterin für verschiedenste internationale Projekte. Dies war eine meiner besten Erfahrungen, denn ich musste immer sicherstellen, dass meine Kunden mit meiner Arbeit zufrieden waren und gerne die Tagessätze zahlen. In Summe war ich fast zehn Jahre in Asien und habe dort in vielen Ländern gearbeitet. Ich habe dabei viel über Change-Management und kulturelle Unterschiede gelernt, wovon ich heute immer noch profitiere. Das waren alles keine wirklichen Rückschläge – eher kontinuierliche Herausforderungen. FuturePlan Magazine: Laut Bitkom ist der Anteil von Frauen in der ITK-Branche seit 2015 leicht gestiegen – von 24 auf 28 Prozent. Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen dafür, dass Frauen in der IT noch immer unterrepräsentiert sind? Jaschhof: Ein Anteil von unter 30 Prozent reicht noch lange nicht aus und die Zahlen bewegen sich zu langsam. Wir müssen deshalb viel früher ansetzen. Die IT wird Mädchen vielleicht immer noch weniger nahe gebracht als Jungen. Und klassische Informatik-Studiengänge sind möglicherweise weniger attraktiv für Frauen. Neue Studiengänge, wie Medien- oder Medizininformatik finden deutlich mehr weiblichen Zulauf. Die Informatik ist in der Regel mehr Mittel zum Zweck und mittlerweile in jedem technischen Grundstudium sehr


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