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KALEIDOSKOP Über den Autor: Klaus Vollmer ist Wirtschaftspsychologe, Berater und Coach aus Essen sowie Autor des Buches „Perspektivenwechsel als Methode“. www.klaus-vollmer.com; www.perspektivenwechsel-alsmethode. de www.futureplan-magazine.de 19 Danny Ocean alias George Cloony einen hermetisch gesicherten Safe im Luxushotel Bellagio in Las Vegas knacken. Dafür braucht er ein Team. Und das besetzt er nicht mit seinen besten Freunden. Er wählt zielgerichtet Topspezialisten mit verschiedenen Charakteren und Begabungen aus. Und genau diese kluge Wahl führt zum Erfolg. Erfahrene Vorgesetzte – Abteilungs- oder Teamleiter – machen es genauso. Sie wissen, dass komplexe Herausforderungen nur mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu bewältigen sind. Denn kein Teammitglied vereint alle notwendigen Fähigkeiten in sich. Und zum Erfolg trägt der erfahrene Mitarbeiter genauso bei wie der motivierte Newcomer. Wichtig ist nur, dass sie die gleichen Werte und Ziele teilen, damit sie in die gleiche Richtung ziehen. Teamrollen nach Belbin Die Effizienz dieser Sichtweise wurde sogar wissenschaftlich bewiesen. In den 1970er Jahren untersuchte ein amerikanisches Forscherteam um Dr. Meredith Belbin, warum bestimmte Teams erfolgreicher waren als andere. Dabei stellt sich heraus: Produktive Teams setzten sich immer aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Rollen zusammen, die sich ganz eindeutig charakterisieren lassen: Der „Macher“ geht handlungsorientiert vor , er treibt den Prozess. Währenddessen steht für den „Teamarbeiter“ das soziale Miteinander im Fokus. Er möchte, dass es allen gut geht. Der „Wegbereiter“ hat ein schnelles Tempo und richtet den Blick nach außen. Im Gegensatz dazu blickt der „Perfektionist“ nach innen und vermeidet alles, was vom direkten Weg auf das Ziel ablenkt. Der „Neuerer“ hat Spaß an neuen Ideen, ist kreativ, innovativ und eher spielerisch. Demgegenüber achtet der „Umsetzer“ auf die praktische Machbarkeit. Der „Koordinator“ übernimmt die Abstimmung und Verteilung der Aufgaben. Für die rationale Sicht von oben und ein verlässliches Urteil über die Vorgehensweise ist der „Beobachter“ zuständig. Und schließlich bereichert der „Spezialist“ das Team durch sein fundiertes Fachwissen. Sich selbst von außen betrachten Als Neuer im Team kann es also hilfreich sein, die bestehenden Strukturen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei hilft die Methode des Perspektivenwechsels. Das bedeutet im ersten Schritt, bei sich selbst anzufangen. Denn nur wer klar erkennt, wie andere ihn wahrnehmen, kann später bewusst zwischen der Innen- und Außenperspektive hin- und herswitchen. Welche Kompetenzen und Charakterzüge bringe ich mit? Mit welchen Teamrollen fühle ich mich besonders wohl? Warum hat mein Vorgesetzter mich eingestellt? Wie kann ich mit meinen Fähigkeiten das Unternehmen im Allgemeinen oder mein Team im Speziellen voranbringen? Aber auch: Wo liegen meine Schwächen und welche Erfahrungen fehlen mir noch? Die Kollegen aus einer anderen Perspektive sehen Wer diese Fragen für sich geklärt hat, kann seine Position im Team klarer wahrnehmen – und sich seinem Umfeld zuwenden. Dabei lohnt es sich, persönliche Sympathien oder Antipathien außen vor zu lassen und jeden Kollegen wertfrei aus der Außenperspektive zu betrachten. Welche Erfahrungen und Stärken hat er? Wie bringt er diese ins Team ein? Wie fühlt er sich mit einem Neuzugang wie mir? Könnte er mich als Bedrohung sehen? Wie könnten wir uns sinnvoll ergänzen? Diese Außensicht schafft Verständnis für den anderen. Und dann wird ganz schnell deutlich: Auch wenn hier vielleicht zwei Welten aufeinanderprallen, ohne den anderen geht es nicht. Erste Hilfe im Konfliktfall Der Perspektivenwechsel kann dabei helfen, Konflikte untereinander zu minimieren. Ganz vermeiden lassen sie sich sicher nicht. Wenn es einmal krachen sollte, heißt es am besten: Hilfe beim Vorgesetzten holen. Und gemeinsam im Teamgespräch erneut die Perspektive wechseln. Auch hier kann Hollywood als Vorbild dienen. Denn die Blockbuster machen es eindrücklich vor: Mit geschickten Kamera und Schnitttechniken kann eine Szene eine völlig neue Wendung bekommen. Bei Konflikten ist jeder der Beteiligten zu nah am Geschehen. Er hat praktisch seine innere Kamera auf Zoom gestellt. Das lässt die Emotionen hochkochen. Am besten hilft jetzt: Raus aus der Nahaufnahme und ab mit der Kamera in die Vogelperspektive – so hoch, bis der nötige Überblick über die gesamte Situation geschaffen ist. Von dort aus können alle Kontrahenten wieder das Verbindende sehen. Fazit Egal, ob für Azubis, Trainees, Absolventen oder Berufserfahrene: Diversity ist eine der größten Herausforderungen im Job. Denn in Unternehmen treffen Menschen mit unterschiedlichen Charakteren, Stärken und Erfahrungen aufeinander. Das ist manchmal anstrengend oder lästig, aber auch durchaus nützlich. Denn nur ungleiche Teams sind wirklich erfolgreich. Die Methode des Perspektivenwechsels kann dabei helfen, die eigene Rolle im Team-Gefüge zu erkennen und mehr Verständnis für die Kollegen zu schaffen.


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